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Die
Oberahrer Schule
nach der Chronik, die von den dort tätigen
Lehrern geführt wurde und sich jetzt im
Archiv der Gemeinde Oberahr befindet. Dokumentiert
von Erich Classen, dem letzten von 30 Oberahrer
Lehrern.
Bis 1973 gab es die Volksschule Oberahr, mit
Ausnahme des letzten Schuljahres ihres Bestehens
eine einklassige Schule, d. h. alle Schuljahre
wurden in einem Klassenraum von einem Lehrer
unterrichtet. Die eigentliche Gründung
der Schule ist unbekannt, so viel steht aber
fest, dass sie in ganz früher Zeit, bis
1817, eine Filialschule der Pfarrei Meudt war.
Lehrer Andreas Wittayer, der auf Geheiß
der Herzoglich- Nassauischen Landesregierung
zu Wiesbaden im Jahre 1820 eine Schulchronik
anlegte, berichtet, dass nach seinen Recherchen
der älteste Lehrer, von dem man in der
Dorfbevölkerung wusste, der 100 Jahre zuvor
hier tätige Johann Bach gewesen sei. Mithin
gab es die Filialschule zu Oberahr mit einiger
Sicherheit seit Beginn des 18. Jahrhunderts.
Wo sich der erste Schulsaal befand, liegt ebenfalls
im Dunkeln. Aus Aufzeichnungen benachbarter
Schulen geht aber hervor, dass zu jener Zeit
die Kinder im Hause des Lehrers unterrichtet
wurden.
So mag es auch in Oberahr gewesen sein. Wenn
man nun bedenkt, dass nach Aufnahme der Ettinghausener
Kinder in die Schule Oberahr im Jahre 1817 die
durchschnittliche Schülerzahl zwischen
60 und 90 lag, in manchen Jahren sogar über
100 (1847 z. B. waren es 107), ist es schwer
vorstellbar, wo und wie eine solche Schülerzahl
Platz hatte.
Andreas Wittayer, der seinen Dienst im Jahre
1796 antrat und dessen Nachkommen noch heute
in Oberahr leben, schreibt allerdings bereits
von einem eigenen Schulhaus, über dessen
Erbauung er jedoch nichts mehr in Erfahrung
bringen konnte. Als diesem der Einsturz drohte,
wurde im Jahr 1813 ein neues in Verbindung mit
einem Backhaus erbaut.
Dieses Haus steht noch, es befindet sich an
der Hauptstraße, links neben dem bis 1973
als Schule benutzten Gebäude. Das Backhaus
stand im Winkel zwischen Hauptstraße(B
255) und Fehrenerstraße, dort, wo jetzt
der Briefkasten zu finden ist. Es wurde in den
50er Jahren des vorigen Jahrhunderts abgerissen.
Bis 1817 wurde der Unterricht in der Filialschule
zu Oberahr nur in den 6 Wintermonaten (Nov.
bis April) erteilt, und zwar 6 Stunden am Tag,
von 8 bis 11 und von 13 bis 16 Uhr. Zur Entlassung
kamen die Kinder mit 10, bzw. später mit
12 Jahren. Erst als durch eine Reform im Jahre
1817 die Schulpflicht für alle Kinder von
6 bis 14 Jahren eingeführt wurde, kam auch
die Ganzjahresschule, die von da ab die Bezeichnung
Elementarschule erhielt.
Zu dem regulären Schulunterricht mit den
Fächern Religion, Deutsch, Rechnen, Raumlehre,
Zeichnen, Realien (Geographie, Geschichte, Naturkunde,
Naturlehre), Singen, Turnen und Handarbeit kam
ab 1839 die Sonntags- und Abendschule, die vom
Schullehrer geführt und von Schulentlassenen
bis zu 20-jährigen freiwillig besucht wurde.
Im Jahre 1861 wurde der Schulverband zwischen
Oberahr und Ettinghausen getrennt, Ettinghausen
erhielt eine eigene Schule. Trotzdem war die
Schülerzahl danach für unsere heutigen
Verhältnisse enorm hoch (1887 waren es
92 Kinder).
1874 wurde aus der Elementarschule die Volksschule
Oberahr, die in drei Abteilungen gegliedert
wurde: Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe. Diese
bestand fast genau 100 Jahre. Im Jahre 1901
wurde das noch heute vorhandene Schulgebäude
errichtet und am 22. Oktober 1901 eingeweiht.
Zu ihm gehörte auch eine Lehrerwohnung,
die 1959 zum Hof hin erweitert wurde. In dem
Anbau wurden ebenfalls moderne Schülertoiletten
installiert.
Im Jahre 1965 begann dann das allmähliche
Hinscheiden der Volksschule Oberahr. Die Schuljahre
7 und 8 wurden abgezogen und an die neu gegründete
Mittelpunktschule Meudt überwiesen. Die
Schulen in Ettinghausen und Sainerholz wurden
zu diesem Zeitpunkt bereits ganz aufgelöst.
Der Transport der Kinder zur Mittelpunktschule
erfolgte in eigens zu diesem Zweck eingesetzten
Schulbussen (wie es auch heute noch im Grund-
und Hauptschulbereich die Regel ist).
Am Ende des Schuljahres 1972/73 (am 31. Juli
1973) kam dann der endgültige Schlußpunkt:
Die selbständige Volksschule Oberahr wurde
aufgelöst. Zwar hatte man im Jahr zuvor
noch eine zweite Lehrerstelle eingerichtet und
mit einem jungen Lehrer besetzt. Da aber nur
ein Klassenzimmer zur Verfügung stand,
in dem ein Jahr lang vor- und nachmittags unterrichtet
wurde, kam es zu einer Eingliederung der 6 Oberahrer
Schuljahre in die Volksschule Niederahr. Der
Klassenraum wurde bis 1981 weiterbenutzt. Hier
unterrichtete der bisherige Lehrer von Oberahr,
nun zum Kollegium von Niederahr gehörend,
das 5./6. Schuljahr der 6-klassigen Volksschule
Niederahr, wo auch Raummangel bestand. In den
Jahren 1976 bis 1980 wurde noch eine Lehrerin
mit eingesetzt, die in einem Nebenraum der einige
Jahre zuvor erbauten Sporthalle Oberahr das
5. Schuljahr unterrichtete. Dann aber, im Jahre
1981, nahezu 300 Jahre nach dem Beginn, war
die Ära „Schule in Oberahr“
beendet.
Aus dem Schul- und Dorfgeschehen im
19. und 20. Jahrhundert
bis 1817 Lehrer, die vor Andreas Wittayer an
der Filialschule Oberahr tätig waren:
Johann Bach
Mathias Reuter
Philipp Schreiner
Johann Mies
Christoph Wüst
Bernhard Klein
Melchior Wolf
Kaspar Kollig
Johann Schönberger
Joh. Jakob Schäfer
Sebastian Hölzgen
Christoph Schied, der direkte Vorgänger
von A. Wittayer.
Die Besoldung der Lehrer bestand in jährlich
30 Kreuzern pro Kind und wurde von der Gemeinde
getragen (100 Kreuzer = 1 Gulden).
Die Schüler wurden in Lesen, Schreiben,
etwas Rechnen und in Religion unterrichtet.
Lehrbücher, die damals verwendet wurden:
1. das so genannte ABC-Buch, 2. der kleine Katechismus
von Felbiger, 3. der Große Katechismus
von Felbiger und 4. die Biblische Geschichte
oder das so genannte Alte und Neue Testament.
1817
Reform des Schulwesens: Zu der vorher bestandenen
Filialschule zu Oberahr wird noch Ettinghausen
beigefügt. Anzahl der Kinder des neuen
Schulbezirks: 88, 48 Jungen und 40 Mädchen.
Die Schüler sind in 4 Klassenstufen eingeteilt.
Die 6-8jährigen machen die 4. Stufe, die
8-10jährigen die 3., die 10- 12jährigen
die 2. und die von 12 bis 14 die 1. Klassenstufe
aus. Alle Kinder sind katholisch. Der Lehrer,
Andreas Wittayer, ist am 17. Mai 1780 in Heiligenroth
als Sohn eines Ackermanns geboren. Seine Ausbildung
zum Lehrer erfährt er durch Pfarrer Hebgen
in Weidenhahn und Pfarrer Schlosser in Montabaur.
1796 wird er Lehrer in Oberahr. Er unterrichtet
bis 1851, also fast 55 Jahre. Neue Lehrbücher
werden 1817 eingeführt: das Methodebuch
von Herzogl. Oberschulrat Denzel und „Geographie“
von Landdechant Brand. Um den Wissensstand der
Schüler zu überprüfen, werden
jährlich eine Frühlings- und Herbstprüfung
angeordnet. Diese werden vom Schulinspektor
durchgeführt. Als solche werden geeignete
Pfarrer ernannt, der erste ist Pfarrer Fölix
aus Nentershausen.
1819
A. Wittayer erhält als Besoldung den Betrag
von 200 Gulden jährlich aus den Gemeindekassen
Oberahr und Ettinghausen. Zum ersten Mal werden
Schulvorstände gewählt. Es sind dies
die beiden Schultheiße aus Oberahr und
Ettinghausen, dazu der Feldschöffe Joh.
Jakob Eulberg von Oberahr und der Feldschöffe
von Ettinghausen. Auch eine Industrielehrerin
(Handarbeit) wird bestellt, die ledige Margarethe
Steinbach aus Oberahr. Sie erhält 16 Gulden
jährlich. Im Oktober erfolgt die erste
Herbstprüfung, an der Schulinspektor Fölix,
Pfarrer Pingler von Meudt, Pfarrer Ickenroth
aus Hahn und der Schulvorstand teilnehmen.
1820
Zur Weiterbildung der Lehrer werden vom Schulinspektor
Bücher angeschafft. Sie müssen reihum
weitergegeben und gelesen werden.
1821
In einer Konferenz der Elementarlehrer der Inspektion
des Amtes Meudt bei Schulinspektor Fölix
in Nentershausen werden die Lehrer zu strenger
Abstinität ermahnt. Auch werden sie aufgefordert,
Knaben zum Besuch der Industrieschule zu animieren.
Wittayer folgt dieser Anweisung.

Kopie aus der Chronik von 1822
Am 17. März 1822 wurde die Frühlingsprüfung
unter Beisein sämtlicher Hochw. Herren,
als: Herzoglicher Schulinspektor Herrn Geistlichen
Rat Pfarrer Fölix, Hochw. zu Nentershausen,
sodann die beiden Hochw. Herrn Pfarrer Pingler
u. Kaplan Berg, und dem Schulvorstande von Oberahr
und Ettinghausen gehalten. Auch wohnten derselben
die sämtlichen Elementarlehrer, als: Wolf
von Meudt, Born von Nentershausen, Wolf von
Niederahr, Schaaf von Hahn, Histchen von Weidenhahn,
Blaum von Niedersein, Hübinger von Rubach,
sodann die Elementarlehrer aus der Schulinspektion
Höhr, als: Hölzgen von Leideroth,
Munsch von Eschelbach, und die Eltern der Schüler
und vielen anderen Zuschauern.
Die Prüfung wurde mit einem zweistimmigen
Lied „Sei mir gegrüßt“
und feierlich um 10 Uhr angefangen. Die Schüler
wurden in allen Gegenständen von allen
Anwesenden gefragt und geprüft. Die Prüfung
dauerte bis halb 4 Uhr. Der Herzogliche Schulinspektor
und Hochw. Geistliche Rat, so auch übrige
Herren waren über das Resultat der Prüfung
wohl zufrieden.

Kopie aus der Chronik von 1829
1829
Am 22. October 1829 begann eine Conferenz der
Elementar-Lehrer unserer Inspection bei dem
Hochw. Herrn Schulinspector und Pfarrer Mollier
zu Hundsangen. Es wurden die in dem Lesezirkel
gehabten Lesebücher an die Elementar-Lehrer
verkauft, und es sollten wieder neue Bücher
zum Lesezirkel angeschafft werden. Der Hochw.
Herr Schulinspector ermunterte seine untergebenen
Lehrer durch eine herzensrührende Anrede
auf, dass sie doch in ihrem Dienste eifrig,
liebevoll unermüdet fortfahren sollten.
Er versicherte ihnen nicht allein den Lohn auf
dieser Welt, durch das innere Bewusstsein, ihre
Pflicht erfüllt zu haben, sondern verwies
sie auch dahin, was denen von Jesus verheißen
wurde, die an seiner Lehre arbeiten.
1839
Bei dem jedes Jahr im Herzogtum Nassau durchgeführten
Wettbewerb im Garnspinnen erringt die jüngste
Tochter einer Familie aus Niederahr den ersten
Preis, nachdem bereits in den Jahren zuvor zwei
Schwestern die gleiche Ehrung zuteil wurde.
Die Sonntags- und Abendschule nimmt im Herbst
1839 ihren Anfang. Sie wird sonntags nachmittags
von 2 bis 4 und mittwochs und samstags von 7
bis 9 Uhr von Lehrer Wittayer gehalten. Er unterrichtet
21 Schüler im Alter von 14 bis 20 Jahren
im Lesen, Schreiben, Rechnen, Gesang und in
der Sprachlehre. Die Gemeinde muss den nötigen
Bedarf anschaffen: Öl zur Beleuchtung am
Abend, Papier, 1/3 Klafter Holz extra zum Heizen.
Außerdem erhält der Lehrer im Sommer
1840 eine Sonderzuwendung in Höhe von 36
Gulden aus der Gemeindekasse.
1842
Im März erscheint ein großer Komet
am Himmel. Die Menschen betrachten ihn als Ankündigung
kommender Katastrophen. Tatsächlich folgt
ein Sommer mit anhaltender Hitze und großer
Trockenheit, der eine verheerende Dürre,
Missernte, allgemeine Teuerung und zahlreiche
Feuersbrünste verursacht.
1845
6 Wochen lang findet ein tägliches Trauergeläute
von 12 bis 1 Uhr wegen des Todes der Kaiserlichen
Hoheit Herzogin Elisabeth Michailowna, Großfürstin
von Russland, statt. Sie starb bei der Geburt
einer Tochter, die ebenfalls verstarb.
Im Schuljahr 1845/46 (1.4.45 – 31.3.46)
beträgt die Schülerzahl 110.
1851
Lehrer Wittayer wird nach 54 Dienstjahren an
der Schule in Oberahr auf eigenen Wunsch in
den Ruhestand versetzt. Er ist 71 Jahre alt,
seine Pension beträgt 260 Gulden im Jahr.
Als sein Nachfolger wird zum 31. Dezember 1851
bestimmt: Peter Roth, geb. am 2. Nov. 1823 in
Engenhahn, Amt Idstein
1852
Ein Schüler wird am Abend des 18. Mai tot,
mit einer Kette um den Hals, an einem Baum hängend,
gefunden. Obgleich noch mehrere Knaben bei ihm
sind, kann der genaue Hergang nicht geklärt
werden.
1859
Durch eine Verordnung der Landesregierung vom
9. März 1859 wird der Schulverband zwischen
Oberahr und Ettinghausen, der seit 1817 bestanden
hat, aufgelöst. Oberahr zählt zu diesem
Zeitpunkt 82 Familien, Ettinghausen 45. Peter
Roth erhält als Besoldung nunmehr 300 Gulden
jährlich. Dazu kommen noch 40 Gulden als
Ausgleich für nicht vorhandenes Schulgut
(dem Lehrer von der Gemeinde zur Verfügung
gestelltes Ackerland und Wiesen). Für die
Zeit vom 1. Juli 1858 an wird ihm eine jährliche
Sondervergütung von 60 Gulden gezahlt,
so lange die Schulkinder von Ettinghausen in
Oberahr mit unterrichtet werden. In Ettinghausen
wird in dieser Zeit eine Schule mit Lehrerwohnung
gebaut. Mit dem 1. Januar 1861 beginnt hier
der Schulbetrieb. Auch in Oberahr wird dem Lehrer
eine Wohnung hergerichtet, in die er am 1. März
1861 einzieht. Wo sich diese befindet, ist nicht
angegeben.
1861
Lehrer Roth wird versetzt, nach ihm kommt Andreas
Heinz, am 6. Jan. 1834 in Großholbach
geboren.
1866
Lehrer Heinz erkrankt am Nervenfieber. Die Schule
wird von Anfang August bis 11. November geschlossen.
Auch 13 Schüler werden von der bösartigen
Krankheit befallen und müssen teilweise
15 – 20 Wochen das Bett hüten. Zwei
Geschwister sterben.
Nassau wird preußische Provinz.
1869
Während des Sommers wird der Schulsaal
einer gründlichen Reparatur unterzogen.
Er erhält einen neuen Boden und eine dauerhafte
Lampe in etwa 3 Fuß Höhe. Wände
und Fenster werden gestrichen. Die Kosten betragen
über 100 Thaler. Auch wird ein neuer Schulofen
angekauft.
1872
In Nassau herrscht großer Lehrermangel,
100 Stellen sind nicht besetzt.
1876
Lehrer Heinz geht nach Oberhöchstadt, Amt
Königstein. Zum 1. Jan. 1876 tritt Peter
Lauth seinen Dienst an. Er ist am 3. Jan. 1851
in Niederahr geboren, sein Vater ist der dortige
Lehrer. Vorher unterrichtete Lehrer Lauth 5
Jahre als Lehrvikar in Ettinghausen und 9 Monate
in Sainerholz.
In den Schulvorstand werden gewählt: Johann
Ihl und Heinrich Bernardi.
1879
Mit dem 1. Juli wird Lehrer Lauth nach Niederahr
versetzt und die Schule dem Lehrer Adam Schmidt,
bisher Sainerholz, übertragen.
1880
Lehrer Schmidt wird am 15. Okt. nach Schenkelberg
versetzt, es kommt Jakob Gasteyer von Oberhattert
nach Oberahr. Lehrer Gasteyer ist geboren im
Jahre 1855 zu Weidenhahn. Sein Vater war dort
Lehrer, er wurde, als Jakob 3 Jahre alt war,
nach Dernbach versetzt. Hier verlebte Jakob
seine Kinder- und Schulzeit. Die Ausbildung
zum Lehrer absolvierte er am Lehrerseminar zu
Montabaur.
1881
Lehrer Gasteyer läßt von einem Kollegen
aus Kaden Grenzen und Flächeninhalt der
Baumschule feststellen. Ergebnis: Größe
4 bis 5 Ruten, Lage im Garten rechts vom Schulsaal,
vom oberen Seitenweg abwärts bis zum zweiten
Seitenweg (es kann sich nur um das Grundstück
handeln, auf dem 20 Jahre später die jetzige
Schule gebaut wurde)
1884
Eine neue Schülerin wird aufgenommen. Sie
wurde von Kaub zur Zwangserziehung in eine Familie
nach Oberahr dirigiert, weil sie ihren Bruder
zu einem Diebstahl animiert hatte, wobei sie
Schmiere stand.
1885
Schülerzahl 92. Weil der Platz nicht ausreicht,
muß Lehrer Gasteyer vormittags und nachmittags
unterrichten. Vormittags die Schuljahre 4 –
8 mit 52 Schülern, nachmittags 1 –
3 mit 40.
1889
Seinem „Wunsch gemäß“
wird Jakob Gasteyer zum 1. Nov. in den Ruhestand
versetzt. Ihm folgt der Lehrer Johann Georg
Kraus, geb. am 22. Dez. 1858 zu Werschau (Krs.
Limburg). Auch er hat seine Ausbildung im Lehrerseminar
zu Montabaur erhalten. Seine vorherige Stelle
war Öllingen.
1900
Am 30. Januar treffen sich Gemeindevertretung,
Schulvorstand, Landrat, Kreisbauinspektor, Kreisschulinspektor
und der Königl. Kreisphsikus in der Schule
zur Besichtigung. Man kommt zu der Überzeugung,
dass die Mängel an Schule und Lehrerwohnung
eine Sanierung nicht lohnen, und beschließt,
eine neue Schule zu bauen. Die Frage nach dem
Standort macht zunächst Probleme, kann
aber durch den Landrat gelöst werden. Im
Laufe des Sommers entwirft Bautechniker Löwenguth
aus Montabaur die Zeichnung, so dass das Projekt
am 7. Januar 1901 vom Landratsamt in Westerburg
genehmigt wird. Daraufhin werden die Arbeiten
öffentlich vergeben.
1901
Zum 1. Januar wird die Seelsorge für Oberahr
von Meudt nach Niederahr übertragen. Pfarrer
in Niederahr und gleichzeitig Ortsschulinspektor
wird der Expositus Fischer.Ein trockener Sommer
begünstigt die Arbeiten, die rasch voranschreiten.
So kann die neue Schule bereits am 22. Oktober
1901 in Gegenwart des Kreisschulinspektors,
Pfarrer Laufer von Hahn, der Pfarrer von Meudt
und Niederahr, des Kaplan Weis aus Meudt, der
Lehrer des Kirchspiels Meudt, des Schulvorstandes
und der Gemeindevertretung eingeweiht werden.
1904
Am 19. Juni 1904 wird die neue Kapelle durch
Pfarrer Roth, ein Kind der Gemeinde, im Beisein
des Expositus Fischer aus Niederahr und des
Kaplan Jeuk aus Meudt eingesegnet. Zusammen
mit Ettinghausen und Sainerholz wird eine Kapellengemeinde
gebildet.
1906
Die Expositur Niederahr wird mit dem bisherigen
Kaplan von Meudt, Expositus Jeuk, besetzt. Er
tritt seinen Dienst am 21. November an. Damit
geht der Wunsch der Bürger von Oberahr,
Ettinghausen und Sainerholz in Erfüllung,
in Oberahr Gottesdienst zu bekommen. Er findet
sonntags um halb 9 statt.
1907
Am Montag, den 25. August, nachmittags 2 Uhr,
wird der neue Friedhof, an der Landstraße
nach Niederahr gelegen, eingesegnet.
1909
Ein Hochwasser, „wie es dahier noch kein
Mensch gesehen hat“, ereignet sich am
4. Februar. Die Erde ist stark gefroren, der
Schnee liegt hoch. Plötzlich, am 3. Februar,
regnet es stark und anhaltend. Der sonst so
kleine Ahrbach wird zu einem reißenden
Strom. Er überflutet die Wiesen und dringt
in Häuser, Ställe und Scheunen ein.
Manche Gebäude sind so vom Wasser umflossen,
dass deren Kinder am 4. Febr. nicht zur Schule
gehen können. Bei Staffel ertrinken 3 Menschen
in den Fluten des Elbbachs, in Langendernbach
kommt eine Person ums Leben. Es werden Sammelstellen
eingerichtet, um den vom Hochwasser Geschädigten
zu helfen.
Am 11. März 1909 begeht die Gemeinde Oberahr
ein Fest, „welches seit 25 Jahren dahier
nicht begangen wurde“: Der Neupriester
Julius Kraus, ein Sohn des Lehrers Johann Georg
Kraus, feiert Primiz. Alle Bewohner nehmen Anteil
daran, Straßen, Kirche und auch die Schule
sind geschmückt. Als der junge Priester
Einzug hält, verkünden Böllerschüsse
und Glockenläuten seine Ankunft. Bei dem
ersten Messopfer ist die Kirche überfüllt.
Pfarrer Jeuk von Niederahr hat sogar eine vierstimmige
Messe für gemischten Chor eingeübt.
Um der Landflucht Einhalt zu gebieten, wird
die Besoldung der Lehrer verbessert. Ein Lehrer
erreicht nach 31 Dienstjahren jetzt ein Einkommen
von 3300 Mark (im Jahr).
Schul- und Dorfereignisse ab 1912
1912
Der Spätsommer bringt eine anhaltende Regenperiode.
Wochen um Wochen vergehen, und der Hafer kann
nicht hereingeschafft werden. Das Korn steht
in Hausten und ist handlang gewachsen. Tag für
Tag arbeiten die Bauern an der gemähten
Frucht, stellen sie auf, drehen sie um u.s.w.,
über Nacht wieder das alte Regenwetter.
Der Lehrer wird ständig genervt wegen Urlaub
für die Schulkinder.
1914
Anfang August beginnt der 1. Weltkrieg. Auch
in Oberahr gibt es bald die ersten Gefallenen.
Am 20. August fällt in Frankreich Jakob
Schönberger, 23 Jahre alt. Ende September
wird Johann Nied, 32 Jahre alt, in Frankreich
vermisst, und am 11. Januar 1915 stirbt Matthias
Nilges in einem Lazarett in Russland.
1917
Zu Anfang des Schuljahres (April) erkrankt Lehrer
Kraus. Ab dem 1. Mai versieht daher die Lehrerin
Prinz aus Sainerholz die Schulstelle. Am 29.
Oktober stirbt Lehrer Kraus mit 58 Jahren. Zitat:
„Herr Lehrer Kraus wirkte 28 Jahre an
hiesiger Schule. Er hat es verdient, dass Oberahr
ihm ein treues Andenken bewahrt“. Seine
Nachkommen (Heinz Kraus beispielsweise war einer
seiner Enkel) leben heute noch in Niederahr.
Bis zu den Weihnachtsferien unterrichtet weiterhin
Lehrerin Prinz.
1918
Clara Schwärtzel übernimmt am 7. Januar
1918 den Dienst an der Schule in Oberahr. Sie
ist am 2. Januar 1898 in Lebach, Kreis Saarlouis,
geboren. Ihre Ausbildung für das Lehramt
absolvierte sie am Lehrerinnen-Seminar zu Eltville
a. Rhein. Nach der Abschlussprüfung 1917
war sie 2 Monate an einer Schule bei Saarlouis
tätig, dann wurde sie nach Oberahr versetzt.
Ihr Bleiben ist aber nicht von Dauer, denn bereits
zum 15. Dezember wird die Stelle an den Lehrer
Julius Ihl übertragen. Dieser ist geboren
am 22. Februar 1896 zu Ötzingen. Dort besuchte
er die Volksschule und danach 3 Jahre die Präparandenanstalt
zu Montabaur. Anschließend nahm er sein
Studium am Lehrerseminar auf, bestand im September
1915 die Abschlussprüfung und wurde dann
eingezogen. Ende November 1918 aus dem Heeresdienst
entlassen betraut man ihn mit der Lehrerstelle
in Oberahr.
1919
Oberahr erhält eine neue Orgel.
Seit Dezember 1919 sind die Amerikaner im Dorf.
Auch die Schule hat darunter zu leiden. Oft
muss das Klassenzimmer für die Amerikaner
geräumt werden, wobei dann der Unterricht
tagelang ausfällt. Zerstörungen im
Schulsaal durch alkoholisierte amerikanische
Soldaten sind die Begleiterscheinungen. Die
Rechenmaschine wird zerbrochen, die Schulgeige
verbrannt, Fensterscheiben werden eingeschlagen
u.s.w..
1920
Zum ersten Mal wird ein Elternbeirat gewählt.
Er setzt sich wie folgt zusammen:
Vorsitzender: Melchior Steudter, Wagner
Schriftführer: Peter Schwickert II, Landwirt
Weitere Mitglieder: Franz Schuster, Landwirt
Peter Nilges, Landwirt (war 5 ½ Jahre
in franz. Gefangenschaft)
Peter Blaum, Landwirt
1922
Die Inflation nimmt ihren Lauf. Im Herbst kostet
1 Pfund Butter 100 Mark, 1 Ei 8 Mark.
1923
Clevere Oberahrer! Viele Arbeiter, die am Ruhrstreik
teilgenommen haben, werden auf Druck der Franzosen
entlassen und erhalten Unterstützung vom
deutschen Staat. Daraufhin melden sich über
60 Oberahrer Männer(fast alles reine Landwirte)
erwerbslos und kassieren Arbeitslosengeld. In
der Oberahrer Gemeinde wird der Bau einer Wasserleitung
und einer elektrischen Lichtleitung beschlossen.
Dank der Initiative der Gemeinde Niederahr,
die am Bau mitbeteiligt ist, wird der Bau der
Wasserleitung auch begonnen. Eine Dorfhälfte
ist bereits mit Wasser versorgt, dann gibt es
Streit in der Gemeinde, und das Projekt wird
gestoppt: „Nun kam ein mehrjähriger
Schlaf“. Der Bau der Lichtleitung war
sogar schon 1919 begonnen, aber auch unterbrochen
worden, obwohl in den meisten Häusern die
Installation schon beendet war. 1923 endlich,
nach der Ruhraktion, soll’s dann weitergehen.
Die Masten für die Fernleitung werden angefahren,
doch erneut kommt die Sache zum Erliegen: „Es
wird angefangen, und bald wieder aufgehört!“
Auch die Schule leidet unter der chronischen
Untätigkeit. Fenster, Türen und der
Fußboden müssten unbedingt gestrichen
werden. Der Schulhof ist bei Regenwetter unpassierbar,
die Aborte nicht zu erreichen, so tiefgründig
ist der Schlamm. Im Schulzimmer fehlt es an
den nötigsten Einrichtungsgegenständen.
Die Lehrerwohnung, obwohl eigentlich neu, ist
sehr ungesund, weil keine Türe und kein
Fenster richtig schließt. Das Dach ist
seit 3 Jahren reparaturbedürftig. Bei starkem
Regen muss der Lehrer auf dem Speicher eine
Bütte aufstellen, damit es nicht durch
die Decke in die Zimmer tropft. Im Hofe liegen
schon seit Jahresfrist einige Tannenstämme,
die zur Einfriedung des Schulhofes dienen sollen.
Eine solche ist nötig, weil der angrenzende
Nachbar es nicht dulden will, dass ein beim
Spielen auf sein Grundstück gefallener
Ball von den Kindern wieder geholt wird. Auch
soll durch eine Umzäunung des Schulhofes
dem sich jedes Jahr wiederholenden Stehlen des
Schulholzes Einhalt geboten werden. Alle diese
Schäden und Mängel sind bekannt, aber
niemand denkt daran, sie zu beseitigen. Immerhin
hat jetzt die Regierung verfügt, dass die
Kreisschulräte ein besonderes Augenmerk
auf die Schulgebäude und ihre Instandhaltung
richten sollen.
1924
Schülerstand zu Beginn des Schuljahres
(nach Ostern 1924): 45
Der Sommer des Jahres 1924 bringt für den
Westerwald viel Schlechtes. Ist schon die Frühjahrsbestellung
durch eine Regenperiode sehr spät erfolgt,
da zerstört ein zweimaliges Hagelwetter
das letzte Fünkchen Hoffnung. Die Hagelkörner
fallen in der Größe eines Hühnereies
zu Boden. Ein Bauer aus Ötzingen (Heimatdorf
von Julius Ihl) wiegt ein solches und stellt
das erstaunliche Gewicht von 50 g fest. Kein
Wunder, wenn da die Feldfrüchte gänzlich
vernichtet, Fensterscheiben und Dächer
zerschlagen werden. Am schwersten getroffen
werden die nördlich und nordwestlich von
Oberahr gelegenen Dörfer. Was der Hagel
übrig gelassen hat, zerstört eine
Regenperiode, die seit Mitte Juli bis in den
September anhält. Das Getreide ist zu über
75% ausgewachsen. Kartoffeln und Viehfutter
verfaulen, so dass es dieses Jahr eine Missernte
gibt, wie sie seit Menschengedenken nicht mehr
da war. Etwas Gutes ist aber dennoch zu vermelden.
Der gute Ausgang der Londoner Konferenz und
die Annahme des Dawesgutachtens bewirken, dass
am 10. September 1924 die Zollschranken fallen.
Dass der Westerwald durch eine Zollgrenze in
zwei Teile geteilt war, hat schweren Schaden
verursacht. Die Gemeinde Oberahr beispielsweise
musste allein 2000 Rentenmark an Zoll für
die beim Bau der Wasserleitung benötigten
Materialien an die Franzosen bezahlen, und dazu
noch 100 M Strafe für ungenügende
Erledigung der nötigen Formalitäten.
Vom 19. 10. bis 26. 10. findet in Oberahr eine
Mission statt, die erste seit Bestehen der Pfarrei.
Die Patres (Kapuziner) wenden sich gegen den
materialistischen Geist der heutigen Zeit und
mahnen zur Umkehr. Zum ersten Mal wird in diesem
Jahr eine ländliche Fortbildungsschule
errichtet. Zu Oberahr als Schulort gehören
noch Niederahr und Sainerholz. Der Unterricht
beginnt am 11. November, er erstreckt sich auf
Deutsch, Staatsbürgerkunde, Rechnen und
landwirtschaftliche Naturkunde und wird erteilt
von Lehrer Ihl, Oberahr, und Lehrer Tschiggfrei,
Sainerholz.
1926
Im Mai wird der Bau der elektrischen Lichtleitung
fortgesetzt. Es dauert 6 Wochen, und dann erstrahlt
an den Kirmestagen (20. und 21. Juni) das Dörfchen
abends in einer nie gekannten Lichterfülle.
Bürgermeister Schwickert hat es fertig
gebracht, bei an sich leerer Gemeindekasse die
Jagdpächer zu bewegen, so viel Jagdpacht
im voraus zu zahlen, dass davon die Baukosten
gedeckt werden können.
1927
Am 27. Juli gibt es ein Unwetter, wie es von
den ältesten Leuten noch nicht erlebt wurde.
Einem Wirbelsturm fallen ungefähr 100 Obstbäume
und 100-200 Festmeter schönsten Buchenbestandes
zum Opfer. Einem armen Arbeiter deckt der Sturm
das ganze Hausdach ab. Ein Landwirt will während
des Unwetters sein Scheunendach abdichten, wird
aber vom Sturm erfasst und vom Dach heruntergeworfen,
dass er besinnungslos liegen bleibt. Zum Glück
sind die Verletzungen nicht lebensgefährlich.
Auch in diesem Jahr wird wieder Unterricht in
der ländlichen Fortbildungsschule erteilt.
Zum ersten Mal gibt es auch Mädchenfortbildungsschulen.
Die Schülerinnen der Gemeinde gehen wöchentlich
einmal zum Unterricht nach Meudt. Innerhalb
eines Monats ziehen 21 Personen von Oberahr
weg. „Keiner will mehr Bauer sein!“
Während überall große Wohnungsnot
herrscht, stehen in Oberahr infolge dieser Massenabwanderung
verschiedene Häuser leer. Die Schülerzahl
sinkt auf 38.
1928
Am Pfingstmontag wird eine Gedenktafel für
die im Weltkrieg Gefallenen eingeweiht. Die
Tafel, die von einem Künstler in Kevelaer
entworfen und ausgeführt wurde, findet
ihren Platz in der Kirche. Sie trägt die
Namen von 27 Männern (11 von Oberahr, 13
von Ettinghausen und 3 von Sainerholz), die
im Kampf ums Leben kamen. Am 15. Juli werden
die Bewohner überrascht durch ein vollständiges
Glockengeläute. Bisher war dieses eher
dünn und erbärmlich und stand in keinem
Verhältnis zu der schönen Kirche.
Da bietet sich die Gelegenheit, von der Gemeinde
Baumbach für billiges Geld zwei schöne
Glocken zu kaufen. Lehrer Ihl und Bürgermeister
Schwickert fahren nach Baumbach und prüfen,
ob die Glocken mit den schon vorhandenen ein
annehmbares Geläute ergeben. Da dies der
Fall ist, wird der Kauf getätigt. Noch
am gleichen Tag werden die Glocken abgeholt
und im Kirchturm aufgehängt. Die Freude
steigert sich noch, als die Jagdpächter
500 Mark für die Anschaffung der Glocken
spenden.
Schul- und Dorfereignisse 5 ab1928
1928
Das gab’s bisher noch nicht: Am 10. September
machen die fünf oberen Jahrgänge einen
Ausflug nach Limburg. Dort wird u. a. die Geschäftsstelle
der Limburger Vereinsdruckerei besichtigt. In
äußerst liebenswürdiger Weise
werden die Kinder aus Oberahr aufgenommen. Sie
besichtigen den Betrieb und erhalten zum Schluss
Gebäck und Milchkakao in der Wohnung des
Direktors. Da die alten Aborte mit der alten
Schule verkauft wurden, werden in den Herbstferien
neue erbaut.
1929
Am 15. Januar beginnt die Firma Gebr. Hartmann
Elberfeld im Distrikt „Hochwald“
mit der Anlage eines Steinbruches. In der Hauptsache
sollen Pflastersteine, daneben auch Schotter
und Basaltsand hergestellt werden. Man hofft
auf ein abbaufähiges Lager im Interesse
der Gemeindekasse und der Männer, die zu
ihrer Arbeitsstelle oft stundenlang fahren müssen.
Der Winter ist sehr streng. Im Dorf gibt es
viele Rohrbrüche, in der Schule sind in
einer Nacht, als die Temperatur bei –36°
liegt, sämtliche Tintenfässer geplatzt.
Die Kinder müssen in die Nähe des
Ofens gesetzt werden, weil es in den hinteren
Bänken vor Kälte nicht auszuhalten
ist. Die Hoffnung, dass der neue Steinbruch
Verdienstmöglichkeiten bringen würde,
erfüllt sich nicht. Die Versuche ergeben
kein brauchbares Gestein, so dass man mit der
Aufschließung Schluss macht. Auch Bohrungen
nach Ton bringen keine Ergebnisse. Wie alljährlich,
so beteiligt sich auch in diesem Jahr die Schule
an den Kreisjugendkämpfen. Die Staffel
mit den Schülern Alois Zerfaß, Alois
Görg, Gottfried Müller und Alfred
Ramroth erringt in der Mittelstufe den Sieg
und erhält einen Wimpel. 4 weitere Schüler
belegen ebenfalls gute Plätze. Zum Gedächtnis
an den 11. August 1919, den Tag, wo die Reichsverfassung
in Kraft trat, wird jeder Schule ein Buch „Deutsche
Einheit, deutsche Freiheit“ übersandt
mit der Weisung, es dem besten und würdigsten
Schüler zu überreichen. In Oberahr
erhält es der Schüler Gottfried Müller.
1931
Ab 23. Februar gehört Oberahr zum Postbezirk
Montabaur-Land. Täglich zweimal werden
jetzt Postsachen per Auto zugestellt. Die Poststelle
übernimmt Bürgermeister P. Schwickert
II. Im Winterhalbjahr wird wieder Unterricht
in der ländlichen Fortbildungsschule erteilt.
Auch Ettinghausen schließt sich an.
1932
Am 1. April 1932 wird der Schulaufsichtsbezirk
Westerburg aufgehoben. Oberahr wird dem Aufsichtsbezirk
Montabaur zugeteilt. Schulrat ist Herr Klemann.
Im Sommer wird auf dem Beulstein (Gemarkung
Oberahr) ein Leuchtfeuer für Nachtflugzeuge
errichtet. Es sieht gespensterhaft aus, wenn
die mächtigen Strahlen des Feuers durch
die Nacht huschen. Ab dem 1. Oktober gehört
Oberahr dem aus den beiden Kreisen Westerburg
und Oberwesterwald neu gebildeten Kreis Oberwesterwald
an.
1933
Am 1. Oktober wird auch in Oberahr der Tag der
deutschen Bauern in würdiger Weise begangen.
Am Tag vorher haben die Einwohner einen Wagen
für den Festzug in Meudt geschmückt.
Er trägt das Motto: „Was wir anbauen“
und zeigt alle landwirtschaftl. Erzeugnisse
vom kleinen Blättchen Feldsalat bis zur
Garbe. Die Ausschmückung und Aufmachung
des Wagens ist derart gut gelungen, dass der
Oberahrer Wagen allgemein als der beste bezeichnet
wird.
1934
Die Schule beteiligt sich an den Vorbereitungen
für das kommende Winterhilfswerk. Sie sammelt
Brombeeren, aus denen 25 Pfund feinstes Gelee
für die Notleidenden bereitet werden. Auch
Fallobst wird gesammelt und zu Gelee verarbeitet.
1935
Wieder beteiligen sich die Oberahrer Schulkinder
am Winterhilfswerk. Es werden u.a. annähernd
6 Zentner Äpfel und 1,50 Zentner Hülsenfrüchte
gesammelt. Zu Weihnachten sammeln die Kinder
Lebensmittel, die in 2 Paketen zu je 30 Pfund
verpackt und an zwei notleidende Familien in
Frankfurt/ Main gesandt werden.
Die Schülerzahl beträgt wegen mehrfacher
Wegzüge nur noch 32. Am 25. 4. 1935 nimmt
die Gemeinde Oberahr Abschied von ihrem Lehrer
Julius Ihl, der seit 15. 12. 1918 hier tätig
war und nach Lorch am Rhein versetzt wurde.
Der Gesangverein, dessen Leiter Lehrer Ihl war,
trägt einige Lieder vor, und der Vorsitzende
Johann Nied überreicht zum Andenken eine
Wagnerbüste. Bürgermeister Schwickert
nimmt in bewegten Worten Abschied von Lehrer
Ihl und übergibt zur Erinnerung ein Gemälde
des Dorfes, mit dessen Ausführung Malermeister
Heinrich Klein beauftragt war. Ende Mai erfolgt
der Umzug der Familie Ihl nach Lorch. Da auch
die beiden Kinder die Schule verlassen, beträgt
die Schülerzahl nur noch 31. Als Nachfolger
tritt am 24.4.1935 Georg Junglas seinen Dienst
an. Er ist am 2. 2. 1903 zu Montabaur geboren.
Von Ostern 1909 bis 1923 besucht er die Seminarschule,
das Gymnasium, die Präparandie und das
Lehrerseminar zu Montabaur. Da zu dieser Zeit
keine Lehrer eingestellt werden, arbeitet er
von April bis Dezember 1923 beim Finanzamt in
Montabaur. Danach erhält er eine Stelle
als Hauslehrer und Geschäftsführer
bei der Firma Heinrich Borgmann, Kornbranntweinbrennerei
in Gruiten/ Rhld. Ab August 1926 macht er eine
Fortbildung an der Preußischen Hochschule
für Leibesübung in Spandau und kommt
als staatl. geprüfter Turn- und Sportlehrer
an die Oberalschule in Bad-Ems. Im Oktober 1934
wird er in den Volksschullehrerdienst zurückversetzt,
macht bis Ostern 1935 Vertretung in Bad-Ems
und erhält zum 23. 4. 35 die Lehrerstelle
in Oberahr. Für das Winterhilfswerk sammeln
die Kinder 40 Brote und 25 Pfund Bucheckern.
Außerdem wird ein Paket mit Kinderwäsche
an die Familie Alt in Geden (Oberhessen) versandt.
Schuljahr 1936/37
Am 17. und 18. 4. herrscht ein derartiges Unwetter
und Schneegestöber, dass die Kinder die
erste Stunde nicht zur Schule gehen können.
Ein Spurschlitten muss erst fahren, ansonsten
bliebe man im Schnee stecken. Das Dorf ist von
der Außenwelt abgeschnitten, kein Strom
mehr, weil die Leitungen zerstört sind.
Kein Radio, keine Zeitung, denn der Postwagen
kann nicht fahren. Der Schaden im Wald ist ungeheuer,
2000 fm Tannen sind vernichtet.
Im Sommer wandert die Klasse einige Male nach
Wirges ins Schwimmbad. Die meisten Kinder baden
zum ersten Mal. Am 12. 9. 1936 führt ein
Ausflug mit dem Auto (mit der Schule Ettinghausen)
nach Höhr-Grenzhausen zur Ausstellung,
zur Festung Ehrenbreitstein und nach Arenberg.
Schöner Ausflug!
Erstmalig findet eine Weihnachtsfeier mit Theateraufführung
statt. Das Stück heißt „Peters
Christbaum“ und muss zweimal gespielt
werden.
Endlich hält auch der Schulfilm Einzug.
Mehrere Vorführungen finden statt, abends
auch für die Eltern. Zum ersten Mal führt
die Nassauische Landesbank Montabaur auch einen
Tonfilm vor. Auf dem Fest der Jugend am 16.
6. 36 in Meudt werden Völkerballspiele
ausgetragen, und zwar 2 gegen Ettinghausen und
1 gegen Niederahr. Alle drei enden mit einem
Sieg der Schule von Oberahr.
Am Sonntag, dem 21. 3. 37, wird eine Ausstellung
der Handarbeitssachen der Mädchen und der
Segelflugzeuge der Jungen veranstaltet. Nach
2jähriger Tätigkeit in Oberahr wird
Georg Junglas nach Frankfurt/M. versetzt.
Schuljahr 1937/38
Am 26. April tritt Rudolf Schmidt seinen Dienst
an der Volksschule Oberahr an. Er stammt aus
Montabaur, wo er am 15. März 1912 geboren
wurde. Nach dreijähriger Volksschulzeit
besucht er das Gymnasium zu Montabaur, legt
1930 die Reifeprüfung ab und studiert dann
an der Pädagogischen Akademie Bonn. Es
folgen Lehrtätigkeiten in Niederelbert,
Wirges, Gackenbach, Horbach und Gräveneck
bei Weilburg. Dann erhält er die Versetzung
nach Oberahr. Im Juni 37 unternimmt die Schule
einen dreitägigen Ausflug ins Siebengebirge.
Die Fahrt bei herrlichstem Wetter hinterlässt
bei den Kindern einen tiefen Eindruck. Bei der
Weihnachtsfeier tritt zum ersten Mal der neu
ins Leben gerufene Blockflötenchor auf.
Schuljahr 1938/39
Zwei besondere Veranstaltungen finden am 27.
November 38 und 4. Febr. 39 statt: ein Hausmusik-
und Kasperleabend. Vor zahlreichen Zuhörern
aus dem Dorf spielt der Flötenchor Märsche,
Wiener Tänze und bekannte Volkslieder.
Ein Flötentrio bietet sogar Stücke
von Haydn und Mozart. Für den Kasperleabend
haben die Kinder Bühne und Figuren selbst
gebastelt. Beide Veranstaltungen finden bei
den Besuchern großen Anklang.
Schuljahr 1939/40
Die Schule in Sainerholz wird zu Schuljahrsbeginn
geschlossen, die 16 Kinder werden in Oberahr
eingeschult. Ab 15. August 39 nimmt Lehrer Schmidt
an einer militärischen Übung teil.
Die Vertretung übernehmen Wilhelm Nagel
und Regina Weis, beide aus Niederahr. Lehrer
Schmidt kehrt von der Übung nicht zurück,
denn am 1. September 1939 beginnt der 2. Weltkrieg.
Nach den Weihnachtsferien wird die Schulstelle
Oberahr an die Lehrerin Regina Weis übertragen.
Im Februar kommt Einquartierung nach Oberahr,
„von der Jugend, aber auch von den Alten,
mit Begeisterung und Dank aufgenommen“.
Die Soldaten bleiben bis zum 10.Mai.
Schuljahr 1940/41
Nach den Sommerferien wird die Lehrerin wegen
Erkrankung beurlaubt und die Schule durch die
Lehrer Nagel (Niederahr) und Weiand (Ettinghausen)
mitversehen. Am 1. November tritt Weis ihren
Dienst wieder an. Der Winter regiert mit großer
Strenge. Es ist sehr kalt und schneit ununterbrochen,
so dass die Kinder von Sainerholz an manchen
Tagen überhaupt nicht zur Schule kommen.
1941/42. Auch in diesem Winter weht auf dem
Westerwald ein „kühles“ Lüftchen.
26 Grad und mehr zeigt das Thermometer unter
dem 0 Punkt. In der Schule tauen die Fenster
überhaupt nicht mehr auf, oft beginnt der
Unterricht mit 2 – 3 Grad minus. Zwar
gibt es vor Weihnachten einen neuen Ofen, jedoch
ist dieser zu klein und hat zu wenig Leistung,
um den Schulsaal ausreichend zu erwärmen.
Zum Glück wird wegen des harten Winters
im Februar eine fast 3 wöchige Schließung
der Schulen angeordnet.
Die Entlassungsfeier kurz vor Ostern verdient
es, in der Chronik verewigt zu werden. Hier
der Originaleintrag der Lehrerin Regina Weis:
Die Schülerinnen des 6. und 7. Schuljahres
erhielten durch Spenden die Rohstoffe zur Veranstaltung
eines „Kaffeekränzchens“. So
prangte denn am 21. März, dem Entlassungstag,
der Schulsaal im Festschmuck. Die Bänke
waren beiseite gerückt und hatten Tischen
Platz gemacht, die mit weißen Decken (Papier)
und Tannengrün geziert waren. Besonders
schön nahm sich der Tisch der „Großen“
aus. Die kleine Festversammlung nahm Platz und
erwartete den Einzug der Scheidenden. Unter
Absingen eines Frühlingsliedes wurden diese
an ihre Plätze geleitet. Dann gab’s
zunächst Kaffee (aus Deutschland) und Kuchen,
denn die Kinder hatten, den bevorstehenden Genüssen
zuliebe, auf ihr 1. Frühstück verzichtet.
Als die Mäulchen soweit gestopft waren,
wurde deklamiert und gesungen. Eine herzliche
Ansprache wies die Kinder auf die Bedeutung
der Entlassung hin.
Zum 1. Oktober wird die Stelle an der Volksschule
Oberahr der Lehrerin Christa Greve übertragen.
Sie ist am 8. 3. 1923 in Neutomischel in der
damaligen Provinz Posen geboren. Der Vater,
ein evang. Pastor, übernimmt 1929 eine
Gemeinde in Bochum. Hier besucht Christa die
Volksschule, danach die Oberschule für
Mädchen. Nach Ablegen der Reifeprüfung
1941 und Studium an der Lehrerbildungsanstalt
in Dortmund möchte sie sich dem Studium
der Philosophie widmen, erhält aber wegen
des Lehrermangels keine Freistellung. Nach den
Herbstferien 1942 tritt sie am 12. Oktober ihren
Dienst in Oberahr an.
Schuljahr 1942/43
Die Schulklasse von Ettinghausen mit über
30 Kindern wird nach Oberahr überwiesen,
weil der dortige Lehrer eingezogen wurde. Da
der Klassenraum die 80 Kinder nicht fasst, unterrichtet
die Lehrerin vormittags von 8 bis 11 die Oberstufe
und anschließend die Unterstufe von 11
bis 13 Uhr.
Schuljahr 1943/44
Weiterhin Unterricht in zwei Abteilungen. Das
„Ereignis des Schuljahrs“ bildet
ein Ausflug der Oberstufe mit Niederahr zusammen
zum Kloster Marienstatt. Mit den Entlassungsschülern
unternimmt die Lehrerin eine Fahrt nach Limburg.
Schon während der Fahrt beobachten sie
Einflüge feindlicher Fliegerverbände.
Der erste Gang in Limburg führt in den
Luftschutzkeller, den sie glücklicherweise
nach 1 Stunde wieder verlassen können.
Nach der Besichtigung des Domes muss die Lehrerin
den Bitten der Schüler nachgeben und mit
ihnen ins Kino gehen, wo ein Lustfilm gezeigt
wird. Gegen Ende des Sommers nehmen die Einflüge
und Angriffe feindlicher Flieger immer mehr
zu, so dass die Klasse öfters den dunklen
feuchten Schulkeller (ohne Licht und Sitzgelegenheit)
aufsuchen muss.
Schuljahr 1944/45
Ab 15. Dezember 1944 wird Ettinghausen wieder
selbständig. Bis zum 7. März 1945
kann der Unterricht noch aufrechterhalten werden,
dann wird die Schule von deutschen Soldaten
(Volkssturm) belegt. Kaum haben diese das Dorf
verlassen, rollen am 26. März die ersten
amerikanischen Panzer hindurch. Die Besetzung
Oberahr’s erfolgt völlig kampflos.
Bald darauf werden 30 Amerikaner mit einem Hauptmann
für 11 Tage im Schulsaal und den leerstehenden
Räumen der Lehrerwohnung einquartiert.
Die Lehrerin darf, weil sie oft den Dolmetscher
machen muss, mit ihrer Mutter im Schulhaus wohnen
bleiben, während andere Häuser völlig
geräumt werden müssen. Am 31. März
45 hält sie „heimlich“ in ihrer
Wohnung die Entlassungsfeier mit 3 Jungen und
4 Mädchen, nachdem sie beim Captain die
Erlaubnis erwirkt hat, dass einige Schulkinder
sie „besuchen“ dürften.
Den ganzen Sommer über bleiben alle Schulen
geschlossen.
Schuljahr 1945/46
Am 1. Oktober wird der Unterricht wieder aufgenommen.
Alle bisher benutzten Schul- und Lehrbücher
bleiben verboten. Ab 8. Oktober muss die Lehrerin
vertretungsweise die Volksschule Niederahr mitübernehmen.
Sie unterrichtet montags, mittwochs und freitags
in Niederahr (63 Kinder), dienstags, donnerstags
und samstags in Oberahr(48 Kinder), erteilt
jeden Tag 7 Unterrichtsstunden, muss aber dann
wegen Überlastung einen Monat aussetzen.
Vom 3. bis 8. Dezember findet für die gesamte
Lehrerschaft des Kreises in Willmerod eine Umschulungstagung
unter dem Vorsitz der Franzosen statt, in der
alle Schulfragen und Probleme auf neuer demokratischer
Grundlage erörtert werden.
Zum 1. Oktober 1946 wird Christa Greve auf eigenen
Wunsch aus dem Schuldienst entlassen und widmet
sich ihrem philologischen Studium.
Lehrer Frei ab 1946
Ab 21. Nov. 1946 wird Lehrer Heinz Frei von
Bannberscheid nach Oberahr versetzt. Immer noch
muss die Schule in Niederahr mitversehen werden
(zusammen 76 Kinder). Die Kinder von Sainerholz,
weiterhin in Oberahr eingeschult, kommen bei
schlechtem Wetter und wegen miserablem Schuhwerk
nur ganz unregelmäßig zur Schule.
Lehrer Frei geht deshalb von Weihnachten an
selbst nachmittags nach Sainerholz und erteilt
dort den Unterricht: „50 Schulstunden
in der Woche waren keine Seltenheit“.
Zum Glück ist im April 1947 die Vertretung
in Niederahr beendet, und auch Sainerholz bekommt
eine Lehrerin.
Schulhaus, Scheune und Hof in Oberahr sind in
einem schrecklich verwahrlosten Zustand. Arbeiter
sind keine zu bekommen, Lehrer Frei muss sich
selbst helfen. Schließlich gelingt es,
einen Fuhrmann zu engagieren, der die Massen
Unrat fortfährt. Den Schulhof ebnet der
Lehrer ein und deckt ihn mit Kies, wofür
er die Fahrer nebenbei mit Broten bei Laune
halten muss. Juni 48 wird endlich der Zaun zwischen
Schuhof und Grundstück A. Wolf errichtet.
Die Zeit vor der Währungsreform ist allen
in trauriger Erinnerung. Die Viehabgabe ist
sehr hart für die Bauern, denn eigentlich
bräuchten sie die Zugtiere dringend für
die schlechten und steilen Wege zu ihren Äckern.
Die Kartoffelkäferplage steigert sich von
Jahr zu Jahr, von einem großen Schaden
kann man aber noch nicht sprechen.
Kurz vor Weihnachten 1948 verlässt Pfarrer
Gotthard die Pfarrei und geht nach Ffm- Unterliederbach.
An seine Stelle tritt Pfarrer Quirmbach, vorher
Kaplan in Montabaur. Bürgermeister Hummrich
wird bei der Bürgermeisterwahl wieder gewählt.
Es kommen die ersten Ostflüchtlinge:
1 aus Mährich Os.
1 aus Reichenbach Tsch.
2 aus Eidlitz Tsch.
4 aus polnisch Ostpreußen
Schuljahr 1951
Die schöne Linde vor der Kirche fällt
im Frühjahr 51. Die Mauer des Kirchenvorplatzes
wird wegen des starken Verkehrs zurückgesetzt.
Seit Jahren hat Oberahr großen Mangel
an Trinkwasser. Die 1947 begonnene Schürfung
in der Struthwiese wird wieder eingestellt.
1950 gräbt man am Oberdörfer Brunnen
und misst in der Stunde 76 cbm. Im Frühjahr
51 wird endlich, nachdem man mit Niederahr einig
ist, mit dem Bau der Wasserleitung begonnen.
Der Behälter der Pumpstation fasst 50 cbm.
Es reicht noch nicht, die alte Zuleitung muß
gereinigt werden, und jetzt ist genügend
Wasser da. Die Niederahrer Kirche wird umgebaut,
so dass in Oberahr der Gottesdienst für
alle 4 Dörfer stattfindet.
Schuljahr 1952
Klassenstand zu Beginn des Schuljahres (Ostern
1952): 39 Kinder. Reparaturen werden vorgenommen
an der Gartenmauer zur Straße, die Mauer
zwischen Schule und dem Nachbar Diemers wird
erneuert. Im Laufe des Winters hält Lehrer
Frei jede Woche einen Filmvortrag für die
Schuljugend und die Erwachsenen des Dorfes.
Der Ausflug führt nach Bonn, an die Ahr,
zu den Maaren und dann über Cochem nach
Koblenz.
Schuljahr 1953
In diesem Sommer geht der Ausflug an die Seenplatte,
von dort nach Hachenburg und Daaden. Hier besichtigt
die Klasse eine Hütte und Grube. Über
den Stegskopf und die Fuchskaute geht es dann
nach Driedorf und Mademühlen, wo man die
Talsperre besichtigt. Den Schluss bildet Frickhofen
mit der Dornburg. Im Juli und August wird die
Straße am Friedhof umgebaut. Endlich,
Mitte November, ist auch die Straßenbeleuchtung
wieder instand gesetzt. In diesem Jahr findet
der erste Martinsumzug statt. Jedes Kind erhält
eine Brezel.
Schuljahr 1954
Zum Schuljahresbeginn gibt es neue Schulmöbel:
15 moderne Tische, Stühle, Schrank, Pult
und Tafel. Kostenpunkt: 1850 DM. Am 22. August
werden 2 neue Glocken geweiht. Mit 14 Kindern
der Oberstufe wird die Jugendherberge Ehrenbreitstein
besucht. Von dort geht es mit schwer gefülltem
Rucksack zu Fuß zur Marksburg und danach
per Schiff zur Loreley.
Schule und Dorf Lehrer Frei ab 1955
Den „Tag des Waldes“ begeht die
Schule folgendermaßen: Die Oberahrer treffen
sich mit den Schulen Ettinghausen und Niederahr
im Steinbruch auf der Oberahrer Höhe. Feuer
wird angezündet, Wasser heiß gemacht,
und dann verzehren die Kinder mit großem
Genuß die heiße Fleischwurst mit
2 Schösschen, die die Gemeinden gestiftet
haben. Anschließend marschieren alle zu
den Holzhauern, die im Windbruch die Fichtenstämme
schälen. Gedichte, Lieder, Ansprachen und
sehr gute Erklärungen des Försters
wechseln ab. Ein Riesenerlebnis! Von den Sportfesten
in Meudt und Westerburg werden einige Siegersträußchen
mitheimgebracht. Im Sommer wird mit den Schulen
von Ettinghausen und Sainerholz die Glockengießerei
in Sinn besichtigt. Über Wetzlar und Braunfels
geht es zur landwirtschaftlichen Ausstellung
nach Diez und dann nach Hause. Zu St. Martin
und Nikolaus Originaltext Lehrer Frei:
„Mit brennenden Fackeln zogen wir wie
jedes Jahr, St. Martin hoch zu Ross, zur Höhe.
Mit viel Mühe hatten die wenigen Kinder
einen mächtigen Holzstoß aufgerichtet.
Den entzündeten sie nun mit Begeisterung.
Viele Leute waren anwesend. Nach Gedichten,
Liedern u. einer Ansprache erhielt jedes Kind
eine große Brezel. Im Dezember veranstalteten
wir mit dem Gesangverein einen Vorweihnachtsabend
fürs Dorf, der mit Liedern, Gedichten,
Ansprache u. kleinen Szenen gut gelang. St.
Nikolaus vergaß kein Kind!“
Schuljahr 1956
Auch in diesem Winter werden den Kindern nachmittags
und Erwachsenen abends Filme gezeigt, einige
Male sogar Tonfilme. Es ist sehr kalt, am 1.
und 2. Februar liegt die Temperatur auf dem
Schulhof bei 24 Grad unter Null. Im Schulsaal
werden trotz Tag- und Nachtfeuerung nur 8 –
10 Grad über Null erreicht. Die Schulkinder
feiern am 5. Februar ihren Kindermaskenball.
Die Mädchen haben sich sehr nett maskiert,
während sich nur ein Junge dazu aufraffen
kann, ein Narrenkleid anzuziehen. Am Fastnachtdienstag
veranstalten sie ihren Fastnachtszug.
Am 6. Februar wird der Elternbeirat gewählt.
Er setzt sich zusammen aus Heinrich Blaum als
Vorsitzendem sowie Frau Rosel Weller und Frau
Hilde Höwer Ersatzmitglieder: Stefan Steudter,
Frau Erna Zirfas, Frau Math. Zirfas. Am 7. Juni
beteiligt sich die Klasse an einer Eisenbahn-
und Dampferfahrt. Der Sonderzug fährt von
Hachenburg bis Engers. Die Oberahrer steigen
in Niederahr zu. Von Engers aus geht es dann
7 Stunden lang bei strömendem Regen mit
dem Dampfer nach Kaub. Am 28. 8. überrascht
ein Wirbelsturm das Dorf. Innerhalb weniger
Sekunden entsteht großer Dachschaden.
Klassenstand am 1. September 1956: 23 Kinder.
Schuljahr 1957
Am 27. 3. 57 begeht die Schule den „Tag
des Baumes“ im Steinbruch. Der Stellvertreter
des Försters hält zuerst einen interessanten
Vortrag. Dann tragen die Kinder Lieder und Gedichte
vor. Wieder gibt es heiße Fleischwurst
und Schösschen, diesmal aber auch noch
heißen Kaffee, den man in einer großen
Milchkanne mitgebracht hat.
Zum zweiten Kirmestag erhält jedes Kind
2 Freikarten von Karussellbesitzer Walter. Die
Beteiligung der Oberahrer Bürger an der
Bundestagswahl beträgt 90,4 %. Am selben
Tage ereignet sich vor der Wirtschaft Klein
ein schweres Verkehrsunglück. Mit voller
Wucht saust ein von oben kommendes Motorrad
auf ein Auto. Die beiden Motorradfahrer fliegen
in hohem Bogen auf die Straße, die Fahrzeuge
werden zertrümmert. Schwer verletzt kommen
die beiden Verunglückten ins Krankenhaus.
Dennoch haben beide Glück. Der eine trägt
nur eine Fleischwunde im Gesicht davon, der
andere einen Schädelbasisbruch, überlebt
aber.
Schuljahr 1958
Wegen Keuchhusten und Grippe bleibt die Schule
im Februar 8 Tage geschlossen. Zur Entlassung
kommen an Ostern Walter Blaum und Renate Neuß.
Zum 31. März 1958 verlässt Lehrer
Frei die Schule, er zieht nach Montabaur.
Als sein Nachfolger übernimmt die Stelle
der Lehrer Hans-Josef Eberz, geb. am 11. 8.
1937 zu Schenkelberg. Dort besuchte er die Volkschule
und danach das Staatliche Gymnasium Montabaur,
wo er im dortigen Bischöflichen Konvikt
wohnte. Nach dem Abitur 1956 absolvierte er
bis 1958 seine Ausbildung zum Lehrer an Volksschulen
an der Pädagogischen Akademie in Trier.
Am 15. April 1958 steht er zum ersten Mal als
„neugebackener“ Lehrer vor der Klasse
in Oberahr. Als Höhepunkt im Jahre 1958
ist verzeichnet der große Schulausflug
am 10. Juli, der mit den Nachbarschulen Ettinghausen
und Sainerholz unternommen wird. Die Fahrt führt
durch die Eifel: Maria Laach, Nürburg-Ring,
durchs Moseltal über Koblenz zurück
auf den Westerwald.
Im Sommer stirbt einer der ältesten Einwohner
unseres Dorfes, der unter dem Namen „Räder-Mathes“
(Fahrräder) in weiten Teilen des Westerwaldes
bekannte Herr Matthias Fein. In seinem hohen
Alter von 81 Jahren war er noch so rüstig,
dass er noch häufig mit seinem Motorrad
Fahrten durch den Westerwald unternahm. Bei
seiner letzten Fahrt wurde er das Opfer eines
Verkehrsunfalls. Zum 1. Oktober 1958 wird Lehrer
Eberz an die Volksschule in Herschbach/Uww.
versetzt. Bis zum 31. März 1959 hält
Lehrer Tausch aus Meudt Vertretungsunterricht.
Vor Anbruch des Winters wird mit einem Anbau
zur Hofseite hin begonnen.
Schuljahr 1959/60
Mit Wirkung vom 1. April 59 an wird Lehrer Roman
Simon von Ewighausen nach Oberahr versetzt.
Kurz nach seinem Dienstantritt ist der Anbau
soweit fertig gestellt, dass er am 27. April
mit seiner Familie die Dienstwohnung, die renoviert
wurde und durch den Anbau noch zusätzlich
ein kleines Zimmer und ein Bad erhalten hat,
beziehen kann. Am Abend des Einzuges bringt
die versammelte Gemeinde ihm ein Ständchen.
Die Schülerzahl beträgt zu Beginn
des Schuljahres 33 Kinder.
Bei einem Elternabend am 17. Oktober kommt Lehrer
Simon zum ersten Mal auf sein Vorhaben „Landschulheimaufenthalt
Norderney“ zu sprechen. Zu seiner Freude
sind alle anwesenden Eltern dafür. Am 19.
November verwandeln 4 cbm Feinschotter den Schulhof
endlich in einen ansehnlichen Zustand.
Schuljahr 1960/61
Die Schülerzahl beträgt in diesem
Schuljahr 35. Der Unterricht wird immer stärker
auf den Aufenthalt in Norderney, der am 17.
Mai beginnen soll, ausgerichtet. Dann endlich,
um 3.15 Uhr, winken 9 Jungen und 5 Mädchen
aus dem Bus, der sie mitsamt ihrem Lehrer und
dessen Frau nach Altenkirchen zur Bahn bringt.
Zuvor aber geht es nach Korb und anschließend
nach Marzhausen, um auch die dortigen Schulen
samt Lehrern und Frauen aufzunehmen. Auf der
langen Bahnfahrt machen sich die Kinder der
drei Schulen schnell miteinander bekannt, so
dass sich bereits bei der Ankunft eine richtige
Heimgemeinschaft gebildet hat. So gerät
der Aufenthalt auf der Nordseeinsel für
alle zu einem großen Erlebnis. Mehrere
Fahrten werden unternommen; eine Ganztagesfahrt
nach Holland, eine Fahrt zur Insel Baltrum und
zweimal wöchentlich der Besuch des Wellenbades.
Aber auch in die Nordseefluten stürzt man
sich, obwohl das Wasser nur 16 Grad hat. Der
Abschied am 7. Juli fällt allen schwer.
Abends um 22.30 Uhr kann Lehrer Simon seine
Schutzbefohlenen gesund und begeistert den Eltern
wieder übergeben.
Schuljahr 1961/62
Lehrer Simon verlässt die Volksschule Oberahr
am 31. März 61, er wird nach Langenhahn
versetzt. Zum 1. 4. 61 übernimmt die Lehrerin
Rita Hanz die Schule. Sie ist am 8. Februar
1939 in Rotenhain geboren. Nach dem Besuch der
Volksschule und des Aufbaugymnasiums zu Montabaur
studiert sie an der Pädagogischen Hochschule
Koblenz und legt im März 1961 die 1. Prüfung
für das Lehramt an Volksschulen ab. Unmittelbar
darauf wird ihr die Lehrerstelle in Oberahr
zugewiesen. Die Schule umfasst zu Beginn dieses
Schuljahres 33 Kinder. Am 7. Juni unternimmt
die Volksschule Oberahr gemeinsam mit den Schulkindern
von Rotenhain einen Tagesausflug nach Frankfurt.
Dort besichtigt man den Palmgarten, den Zoo
und den Rhein-Main-Flughafen.
Schuljahr 1962/63
Zwei Fahrten werden auch in diesem Schuljahr
unternommen. Im Juni geht es ganztägig
nach Attendorn, wo man die Tropfsteinhöhle
besucht. Danach besichtigt man die Listental-
und Aggertalsperre und für die Kinder der
Höhepunkt – eine Coca-Cola Fabrik.
Am 19. 12. geht es ins Stadttheater nach Koblenz
Hier nehmen die Kinder an der Aufführung
des Märchenspiels „Sternchens Himmelfahrt“
teil. Mitte November setzt der strengste Winter
seit Jahrzehnten ein. Pausenlose Schneefälle
und Fröste bis minus30 Grad führen
zu katastrophalen Missständen in ganz Europa.
Meterhohe Schneeverwehungen legen den Verkehr
lahm. Zahlreiche Gemeinden auf dem Hohen Westerwald
sind tagelang von der Außenwelt abgeschnitten.
Hier wird vorübergehend der Ausnahmezustand
ausgerufen. Erst zu Beginn des März 63
lassen die tagelangen eisigen Schneestürme
nach, und die gewaltigen Schneemassen beginnen
zu schmelzen.
Schuljahr 1963/64
Ziel des diesjährigen Ausflugs kurz vor
den Sommerferien ist Rüdesheim. Mit einem
Kleinbus fährt die Klasse zunächst
nach Koblenz. Hier beginnt die Schiffsreise
durch das Rheintal. Von Assmannshausen aus geht
es dann hinauf zum Niederwalddenkmal, das die
Kinder sich so groß und mächtig nicht
vorgestellt haben. Nachmittags fährt von
Rüdesheim aus das Schiff dann zurück
nach Koblenz, wo der Bus bereits wartet.
Schuljahr 1964/65
In den Osterferien wird das Klassenzimmer renoviert.
Die Wände erhalten einen hellen Anstrich,
die Gardinen werden durch neue ersetzt. Leider
macht es der ewige Krach, der von der Bundesstraße
her in die Klasse dröhnt, im Sommer unmöglich,
ein Fenster zu öffnen. Der Ausflug kurz
vor den Sommerferien führt in die Eifel:
Neuwieder Becken, Brohltal, Besuch einer Pepsi-Cola
Fabrik in Burgbrohl, Maria Laach, Mayen, Schloss
Bürresheim, Nürburgring, Dauner Maare,
Cochem sind die einzelnen Stationen der Fahrt.
Zum 1. August wird die Lehrerin Rita Hanz, die
geheiratet hat, an die zweiklassige Volksschule
in Seck, wo ihr Mann bereits tätig ist,
versetzt.
Die letzten 8 Jahre der Volksschule
Oberahr
1964 – 1973
Zum 1. August 1964 wird die Leitung der Volksschule
Oberahr dem Lehrer Erich Classen übertragen.
Er stammt aus dem Sauertal an der Grenze nach
Luxemburg, wo er am 30.12. 1934 in Metzdorf
geboren wurde. Nach 4jähriger Volksschulzeit
wurde er zum 1. Sept. 44 am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium
zu Trier angenommen. Wegen der zunehmenden Bombenangriffe
verbrachten in den folgenden Wochen die Schüler
die meiste Zeit in den ausgedehnten Weinkellern
des Gymnasiums, während pausenlos amerikanische
und englische Fliegerverbände die Stadt
Trier nach Deutschland hinein überflogen
(Trier selber wurde erst zum Ende des Krieges,
im Jan./Feb. 45, angegriffen und weitgehend
zerstört). Nach kurzer Zeit wurde der Schulbetrieb
wegen der heranrückenden Front eingestellt.
Erst zu Beginn des Jahres 1946 wurde die Schule
dann wieder geöffnet. Nach Ablegen des
Abiturs im März 1954 und 2jähriger
Tätigkeit bei der Deutschen Bundespost
begann er das Studium an der Pädagogischen
Hochschule zu Trier, legte 1959 die erste Lehrerprüfung
ab und erhielt zum 1. 8. 59 die Lehrerstelle
an der einklassigen Volksschule in Dreisbach/Oberwesterwald
zugewiesen. Zum 1. April 60 versetzte man ihn
nach Ettinghausen und zum 1. 8. 1964 auf seinen
Wunsch nach Oberahr. Nur noch 8 Monate unterrichtet
Lehrer Classen alle 8 Schuljahre der Volksschule
Oberahr, denn zu Beginn des nächsten Schuljahres
geschehen einschneidende Veränderungen.
Schuljahr 1965/66
Sie bestehen darin, dass nach und nach die einklassigen
Volksschulen aufgelöst und in Mittelpunktschulen
zusammengeführt werden sollen. Für
Oberahr bedeutet dies, dass zu Ostern 1965 die
Schuljahre 7 und 8 an die Mittelpunktschule
Meudt abgegeben werden. Ettinghausen und Sainerholz
übrigens werden bereits jetzt komplett
aufgelöst. Der Transport der Schulkinder
wird vom Kreis, damals noch Oberwesterwald,
übernommen. Nach Abgang der beiden obersten
Schuljahre beträgt die Schülerzahl
nun 21 Kinder.
Schuljahr 1966/67
In zwei Kurzschuljahren, die vom 1. 4. 66 bis
30.11. 66 und vom 1. 12. 66 bis 31. 7. 67 dauern,
wird der Schuljahrsbeginn vom 1. April auf den
1. August verlegt. Für die Lehrer bedeutet
das eine harte Zeit, denn der Lehrstoff eines
Jahres muss in 8 Monaten bewältigt werden,
und das zweimal hintereinander. Zum 1. 8. 1967
wird das 9. Schuljahr eingeführt, was aber
für Oberahr nicht mehr in Betracht kommt.
Schuljahr 1967/68
Die Klasse umfasst nun 27 Kinder, 14 Jungen
und 13 Mädchen. Am 24. 8. 67 verstirbt
nach einem Unglücksfall der Schüler
Ralf Eisenhut im Alter von 9 Jahren. Er war
am Nachmittag zuvor auf dem Heuboden eines Bauernhofes
damit beschäftigt, das vom Gebläse
heraufbeförderte Heu zu verteilen. Aus
ungeklärter Ursache stürzte er dabei
durch eine Luke auf den Zementboden des darunter
liegenden Stalles. Die erlittenen Kopfverletzungen
führen am Tag danach zu seinem Tode. Die
Schule beteiligt sich gemeinsam an der Beerdigung.
Das seltene Fest der Goldenen Hochzeit feiert
am 12. 8. 67 das Ehepaar Melchior und Maria
Schwickert. Dem 77jährigen Jubilar und
der 69jährigen Jubilarin gratulieren 4
Kinder und 4 Enkelkinder. Am Abend des Festtages
versammeln sich die Einwohner des Dorfes am
Jubelhaus und wohnen dem Ständchen bei,
das vom Männerchor „Harmonie“
Oberahr unter Leitung des Lehrers dargebracht
wird.
Am 11. Dezember gestalten die Schulkinder eine
vom Jagdpächter Hartnack finanzierte Nikolaus-
und Weihnachtsfeier. Die Kleinen des 1. –
3. Schuljahres führen ein lustiges Spiel
von Nikolaus- und Hollezwergen auf, das viel
Beifall findet. Die Größeren spielen
dreistimmige Weihnachtslieder auf Melodica,
Akkordeon und Gitarre. Höhepunkt der Feier
ist das vom Männerchor und der Schülerspielgruppe
gemeinsam vorgetragene Weihnachtslied „O
du fröhliche“.
Am Ende des Schuljahres gehen 3 Kinder nach
Meudt und 3 zum Gymnasium nach Montabaur. 8
Kinder werden aufgenommen. Klassenstand: 24
Schuljahr 1968/69
Die Klasse beteiligt sich auch in diesem Jahr
an Veranstaltungen des geselligen Lebens im
Dorf, so am Martinsumzug, der Nikolausfeier
von Jagdpächter Hartnack und der Gestaltung
des Frühschoppens am Kirmesmontag.
Der Ausbau der durch den Ort führenden
Bundesstraße 255 wird abgeschlossen. Besonders
die Anlage von Bürgersteigen auf beiden
Seiten trägt sehr zur Sicherheit der Kinder
auf dem täglichen Schulweg bei. Ein Nachteil
zeigt sich darin, dass auf der verbreiterten
und griffig geteerten Fahrbahn viele Autofahrer
mit überhöhter Geschwindigkeit durch
die Ortschaft fahren und so die die Straße
überquerenden Schulkinder gefährden.
Erfreulicherweise wird auch der Schulhof geteert,
was sehr zur Sauberkeit im Klassenzimmer beiträgt.
Schuljahr 1969/70
Am 23., 24. und 25. August 1969 feiert die Dorfgemeinschaft
ein erwähnenswertes Fest, das 50jährige
Bestehen des Männergesangvereins „Harmonie
Oberahr“. Ins Nachkriegsjahr 1919 datiert
nach den Unterlagen des Vereins der erste Zusammenschluss
sangesfreudiger Dorfbewohner zu einem Chor.
Wesentlichen Anteil an seinem Zustandekommen
hatte der damalige Lehrer Julis Ihl, wie überhaupt
die Lehrerschaft in der Geschichte des Vereins
eine hervorragende Rolle spielte.
Als Dirigenten sind verzeichnet:
von 1919 bis 1935, Lehrer Julius Ihl
von 1935 bis 1937, Lehrer Georg Junglas
Anfang der 60er, Lehrer Karl Richter
vom 1.1.65 –31.12.76, Lehrer Erich Classen
Der Verein gehört der Sängergruppe
I des Unterwesterwaldkreises an. Die 16 Chöre
dieser Gruppe sind zum sonntäglichen Freundschaftssingen
ausnahmslos erschienen. Somit wird der Bevölkerung
eine Vortragsfolge mit insgesamt 600 Sängerinnen
und Sängern geboten, wobei besonders von
den Männerchören Ebernhahn und Siershahn/Staudt
herausragender Chorgesang zu hören ist.
Leider meint es der Wettergott nicht so gut
mit den Sängern. Nach 5 Wochen herrlichen
Sommerwetters ziehen ausgerechnet am Kommersabend
die ersten Regenschauer auf und trommeln auf
das Dach des in der Bachwies aufgebauten Zeltes.
Auch Sonntag und Montag sind von unbeständigem
Wetter gekennzeichnet. Die Schulkinder aber
lassen sich davon nicht die Laune verderben
und genießen den unterrichtsfreien Montag
auf Karussell und Schiffschaukel vor dem Festzelt.
Anfang Januar 1970 unternimmt die Klasse eine
Theaterfahrt nach Koblenz. Auch die älteren
Kinder von Mittelpunktschule und Gymnasium beteiligen
sich daran, ebenso wie zahlreiche Kleinkinder
mit ihren Müttern. Gespielt wird das Märchen
von „Hans im Glück“. An den
Kosten haben sich Gemeinde und Gesangverein
mit großzügigen Spenden beteiligt.
Das Jahr 1970, zum internationalen Naturschutzjahr
erklärt, wird auch von der Schule und Gemeinde
Oberahr in Form einer Veranstaltung gewürdigt.
Am letzten Sonntag des Schuljahres ziehen die
Schulkinder zusammen mit den Einwohnern hoch
zum Wald am Rotstein. Hier haben die Männer
des Gesangvereins eine Bühne und ein provisorisches
Zelt aus durchsichtigen Kunststoffplanen aufgebaut.
Bereits am Vormittag erschallt weithin ins Tal
das Blasen einer vom Jagdpächter aufgebotenen
Jagdhorngruppe. Zu Mittag gibt es Erbsenwürstchen
mit Suppe, von Günter Zerfas und seiner
Frau in einem großen Kessel zubereitet.
Nach dem Mittagessen wird in einer Feierstunde
der Idee des Naturschutzes gedacht. Zur Einleitung
singen und spielen die Kinder Lieder vom Wald,
vom Wandern und der schönen Sommerzeit.
Gerade in diesem Augenblick geht wie bestellt
ein strömender Regenguss nieder. Dank Vorsorge
des Vereins wird die Feier jedoch nur wenig
gestört. Interessiert lauschen Junge und
Alte der Ansprache des Försters, in der
er besonders auf die Wichtigkeit des Naturschutzes
und die Reinerhaltung der Umwelt eingeht. Die
Feierstunde schließt mit Gedichten der
Kinder und Waldliedern, vom Männerchor
vorgetragen. Das Wetter hat sich gebessert,
und aus den Nachbardörfern setzt ein reger
Zustrom von Besuchern ein, die an diesem originellen
Fest teilhaben wollen. Nun spielt eine Blaskapelle
aus Heiligenroth zur Unterhaltung und zum Tanz.
Gastwirt Walter Klein schenkt fleißig
Bier aus (die Fässer sind im Waldboden
kühl gelagert), und für die Kinder
gibt es Bratwürstchen und Limo. Noch lange,
so wird berichtet, sind am Abend aus dem dunklen
Wald die seligen Lieder später Zecher zu
vernehmen. Klassenstand am 1. 8. 1970: 31 Kinder
Schuljahr 1971/72
Das Dorf wächst. Nach langem Zaudern entschließt
sich die Gemeinde, Baugelände anzukaufen,
zu erschließen und baulustigen Bürgern
zur Verfügung zu stellen. Das Terrain befindet
sich am Ostrand des Dorfes, oberhalb der Bachwies.
In den wunderschönen Monaten Februar und
März – trocken und fast sommerlich
warm – setzt dann eine rege Bautätigkeit
ein. Etwa 10 Baustellen nehmen die Schulkinder
auf einem Unterrichtsgang in Augenschein. Ein
Bauherr aus Recklinghausen erklärt der
Klasse, ihm habe die schöne Lage des Dorfes
und die saubere Luft des Westerwaldes so gefallen,
dass er seinen Arbeitsplatz im Ruhrgebiet aufgab
und nach hier umsiedelte. Er ist nicht der einzige.
Allenthalben ist von Familien zu hören,
die aus den Industriegebieten wegziehn und sich
im Westerwald eine neue Heimat suchen. Am 26.
Juni macht die Schule einen Ausflug zur Attahöhle
in Attendorn. Nach der Besichtigung der Tropfsteinhöhle
hinterlässt eine Fahrt auf dem Biggesee
bei den Kindern einen nachhaltigen Eindruck.
Schuljahr 1972/73
Der Beginn des Schuljahres bringt eine Verbesserung
der pädagogischen Situation. Der Volksschule
Oberahr wird eine zweite Lehrerstelle zugewiesen.
Besetzt wird sie mit Lehrer Christian Heinrich.
Da nur ein Klassenraum zur Verfügung steht,
wird vorübergehend vormittags und nachmittags
unterrichtet. Es ist geplant, dass eine Klasse
später in einen Nebenraum der Sporthalle,
die gerade gebaut wird, einzieht. Die Errichtung
dieser Halle geht auf die Anregungen des Damengymnastikvereins
Oberahr und neugegründeten Sportvereins
mit Männer- und Kinderabteilung zurück.
Weil dadurch ein großer Bedarf an sportlichen
Übungsstätten bestand, startete die
Gemeindevertretung spontan dieses Projekt, ehe
die Integrierung der Gemeinde Oberahr in die
Verbandsgemeinde Wallmerod zum 1.1.1973 das
wohl erschwert oder gar verhindert hätte.
Das Ende des Schuljahres 1972/73 setzt auch
den Schlusspunkt für die selbständige
Volksschule Oberahr: Sie wird aufgelöst.
Nachwort des Verfassers
So ging es damals in den 70er Jahren allen Volksschulen.
Damit gehört eine Schule der Vergangenheit
an, die über Jahrhunderte hinweg auf Grund
des Engagements ihrer Lehrer und konsequent
angewendeter Erziehungs- und Lernkonzepte großartige
Erfolge aufzuweisen und zum wirtschaftlichen
Aufstieg unseres Landes entscheidend beigetragen
hat.
Im Jahre 2008
Erich Classen, Schulleiter a. D.
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