Schulchronik

Die Oberahrer Schule

nach der Chronik, die von den dort tätigen Lehrern geführt wurde und sich jetzt im Archiv der Gemeinde Oberahr befindet. Dokumentiert von Erich Classen, dem letzten von 30 Oberahrer Lehrern.

Bis 1973 gab es die Volksschule Oberahr, mit Ausnahme des letzten Schuljahres ihres Bestehens eine einklassige Schule, d. h. alle Schuljahre wurden in einem Klassenraum von einem Lehrer unterrichtet. Die eigentliche Gründung der Schule ist unbekannt, so viel steht aber fest, dass sie in ganz früher Zeit, bis 1817, eine Filialschule der Pfarrei Meudt war. Lehrer Andreas Wittayer, der auf Geheiß der Herzoglich- Nassauischen Landesregierung zu Wiesbaden im Jahre 1820 eine Schulchronik anlegte, berichtet, dass nach seinen Recherchen der älteste Lehrer, von dem man in der Dorfbevölkerung wusste, der 100 Jahre zuvor hier tätige Johann Bach gewesen sei. Mithin gab es die Filialschule zu Oberahr mit einiger Sicherheit seit Beginn des 18. Jahrhunderts. Wo sich der erste Schulsaal befand, liegt ebenfalls im Dunkeln. Aus Aufzeichnungen benachbarter Schulen geht aber hervor, dass zu jener Zeit die Kinder im Hause des Lehrers unterrichtet wurden.

So mag es auch in Oberahr gewesen sein. Wenn man nun bedenkt, dass nach Aufnahme der Ettinghausener Kinder in die Schule Oberahr im Jahre 1817 die durchschnittliche Schülerzahl zwischen 60 und 90 lag, in manchen Jahren sogar über 100 (1847 z. B. waren es 107), ist es schwer vorstellbar, wo und wie eine solche Schülerzahl Platz hatte.

Andreas Wittayer, der seinen Dienst im Jahre 1796 antrat und dessen Nachkommen noch heute in Oberahr leben, schreibt allerdings bereits von einem eigenen Schulhaus, über dessen Erbauung er jedoch nichts mehr in Erfahrung bringen konnte. Als diesem der Einsturz drohte, wurde im Jahr 1813 ein neues in Verbindung mit einem Backhaus erbaut.

Dieses Haus steht noch, es befindet sich an der Hauptstraße, links neben dem bis 1973 als Schule benutzten Gebäude. Das Backhaus stand im Winkel zwischen Hauptstraße(B 255) und Fehrenerstraße, dort, wo jetzt der Briefkasten zu finden ist. Es wurde in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts abgerissen.

Bis 1817 wurde der Unterricht in der Filialschule zu Oberahr nur in den 6 Wintermonaten (Nov. bis April) erteilt, und zwar 6 Stunden am Tag, von 8 bis 11 und von 13 bis 16 Uhr. Zur Entlassung kamen die Kinder mit 10, bzw. später mit 12 Jahren. Erst als durch eine Reform im Jahre 1817 die Schulpflicht für alle Kinder von 6 bis 14 Jahren eingeführt wurde, kam auch die Ganzjahresschule, die von da ab die Bezeichnung Elementarschule erhielt.

Zu dem regulären Schulunterricht mit den Fächern Religion, Deutsch, Rechnen, Raumlehre, Zeichnen, Realien (Geographie, Geschichte, Naturkunde, Naturlehre), Singen, Turnen und Handarbeit kam ab 1839 die Sonntags- und Abendschule, die vom Schullehrer geführt und von Schulentlassenen bis zu 20-jährigen freiwillig besucht wurde.

Im Jahre 1861 wurde der Schulverband zwischen Oberahr und Ettinghausen getrennt, Ettinghausen erhielt eine eigene Schule. Trotzdem war die Schülerzahl danach für unsere heutigen Verhältnisse enorm hoch (1887 waren es 92 Kinder).

1874 wurde aus der Elementarschule die Volksschule Oberahr, die in drei Abteilungen gegliedert wurde: Unterstufe, Mittelstufe, Oberstufe. Diese bestand fast genau 100 Jahre. Im Jahre 1901 wurde das noch heute vorhandene Schulgebäude errichtet und am 22. Oktober 1901 eingeweiht. Zu ihm gehörte auch eine Lehrerwohnung, die 1959 zum Hof hin erweitert wurde. In dem Anbau wurden ebenfalls moderne Schülertoiletten installiert.
Im Jahre 1965 begann dann das allmähliche Hinscheiden der Volksschule Oberahr. Die Schuljahre 7 und 8 wurden abgezogen und an die neu gegründete Mittelpunktschule Meudt überwiesen. Die Schulen in Ettinghausen und Sainerholz wurden zu diesem Zeitpunkt bereits ganz aufgelöst. Der Transport der Kinder zur Mittelpunktschule erfolgte in eigens zu diesem Zweck eingesetzten Schulbussen (wie es auch heute noch im Grund- und Hauptschulbereich die Regel ist).

Am Ende des Schuljahres 1972/73 (am 31. Juli 1973) kam dann der endgültige Schlußpunkt: Die selbständige Volksschule Oberahr wurde aufgelöst. Zwar hatte man im Jahr zuvor noch eine zweite Lehrerstelle eingerichtet und mit einem jungen Lehrer besetzt. Da aber nur ein Klassenzimmer zur Verfügung stand, in dem ein Jahr lang vor- und nachmittags unterrichtet wurde, kam es zu einer Eingliederung der 6 Oberahrer Schuljahre in die Volksschule Niederahr. Der Klassenraum wurde bis 1981 weiterbenutzt. Hier unterrichtete der bisherige Lehrer von Oberahr, nun zum Kollegium von Niederahr gehörend, das 5./6. Schuljahr der 6-klassigen Volksschule Niederahr, wo auch Raummangel bestand. In den Jahren 1976 bis 1980 wurde noch eine Lehrerin mit eingesetzt, die in einem Nebenraum der einige Jahre zuvor erbauten Sporthalle Oberahr das 5. Schuljahr unterrichtete. Dann aber, im Jahre 1981, nahezu 300 Jahre nach dem Beginn, war die Ära „Schule in Oberahr“ beendet.

Aus dem Schul- und Dorfgeschehen im 19. und 20. Jahrhundert

bis 1817 Lehrer, die vor Andreas Wittayer an der Filialschule Oberahr tätig waren:
Johann Bach
Mathias Reuter
Philipp Schreiner
Johann Mies
Christoph Wüst
Bernhard Klein
Melchior Wolf
Kaspar Kollig
Johann Schönberger
Joh. Jakob Schäfer
Sebastian Hölzgen
Christoph Schied, der direkte Vorgänger von A. Wittayer.
Die Besoldung der Lehrer bestand in jährlich 30 Kreuzern pro Kind und wurde von der Gemeinde getragen (100 Kreuzer = 1 Gulden).
Die Schüler wurden in Lesen, Schreiben, etwas Rechnen und in Religion unterrichtet. Lehrbücher, die damals verwendet wurden: 1. das so genannte ABC-Buch, 2. der kleine Katechismus von Felbiger, 3. der Große Katechismus von Felbiger und 4. die Biblische Geschichte oder das so genannte Alte und Neue Testament.

1817
Reform des Schulwesens: Zu der vorher bestandenen Filialschule zu Oberahr wird noch Ettinghausen beigefügt. Anzahl der Kinder des neuen Schulbezirks: 88, 48 Jungen und 40 Mädchen. Die Schüler sind in 4 Klassenstufen eingeteilt. Die 6-8jährigen machen die 4. Stufe, die 8-10jährigen die 3., die 10- 12jährigen die 2. und die von 12 bis 14 die 1. Klassenstufe aus. Alle Kinder sind katholisch. Der Lehrer, Andreas Wittayer, ist am 17. Mai 1780 in Heiligenroth als Sohn eines Ackermanns geboren. Seine Ausbildung zum Lehrer erfährt er durch Pfarrer Hebgen in Weidenhahn und Pfarrer Schlosser in Montabaur. 1796 wird er Lehrer in Oberahr. Er unterrichtet bis 1851, also fast 55 Jahre. Neue Lehrbücher werden 1817 eingeführt: das Methodebuch von Herzogl. Oberschulrat Denzel und „Geographie“ von Landdechant Brand. Um den Wissensstand der Schüler zu überprüfen, werden jährlich eine Frühlings- und Herbstprüfung angeordnet. Diese werden vom Schulinspektor durchgeführt. Als solche werden geeignete Pfarrer ernannt, der erste ist Pfarrer Fölix aus Nentershausen.


1819
A. Wittayer erhält als Besoldung den Betrag von 200 Gulden jährlich aus den Gemeindekassen Oberahr und Ettinghausen. Zum ersten Mal werden Schulvorstände gewählt. Es sind dies die beiden Schultheiße aus Oberahr und Ettinghausen, dazu der Feldschöffe Joh. Jakob Eulberg von Oberahr und der Feldschöffe von Ettinghausen. Auch eine Industrielehrerin (Handarbeit) wird bestellt, die ledige Margarethe Steinbach aus Oberahr. Sie erhält 16 Gulden jährlich. Im Oktober erfolgt die erste Herbstprüfung, an der Schulinspektor Fölix, Pfarrer Pingler von Meudt, Pfarrer Ickenroth aus Hahn und der Schulvorstand teilnehmen.

1820
Zur Weiterbildung der Lehrer werden vom Schulinspektor Bücher angeschafft. Sie müssen reihum weitergegeben und gelesen werden.

1821
In einer Konferenz der Elementarlehrer der Inspektion des Amtes Meudt bei Schulinspektor Fölix in Nentershausen werden die Lehrer zu strenger Abstinität ermahnt. Auch werden sie aufgefordert, Knaben zum Besuch der Industrieschule zu animieren. Wittayer folgt dieser Anweisung.


Kopie aus der Chronik von 1822


Am 17. März 1822 wurde die Frühlingsprüfung unter Beisein sämtlicher Hochw. Herren, als: Herzoglicher Schulinspektor Herrn Geistlichen Rat Pfarrer Fölix, Hochw. zu Nentershausen, sodann die beiden Hochw. Herrn Pfarrer Pingler u. Kaplan Berg, und dem Schulvorstande von Oberahr und Ettinghausen gehalten. Auch wohnten derselben die sämtlichen Elementarlehrer, als: Wolf von Meudt, Born von Nentershausen, Wolf von Niederahr, Schaaf von Hahn, Histchen von Weidenhahn, Blaum von Niedersein, Hübinger von Rubach, sodann die Elementarlehrer aus der Schulinspektion Höhr, als: Hölzgen von Leideroth, Munsch von Eschelbach, und die Eltern der Schüler und vielen anderen Zuschauern.
Die Prüfung wurde mit einem zweistimmigen Lied „Sei mir gegrüßt“ und feierlich um 10 Uhr angefangen. Die Schüler wurden in allen Gegenständen von allen Anwesenden gefragt und geprüft. Die Prüfung dauerte bis halb 4 Uhr. Der Herzogliche Schulinspektor und Hochw. Geistliche Rat, so auch übrige Herren waren über das Resultat der Prüfung wohl zufrieden.



Kopie aus der Chronik von 1829



1829
Am 22. October 1829 begann eine Conferenz der Elementar-Lehrer unserer Inspection bei dem Hochw. Herrn Schulinspector und Pfarrer Mollier zu Hundsangen. Es wurden die in dem Lesezirkel gehabten Lesebücher an die Elementar-Lehrer verkauft, und es sollten wieder neue Bücher zum Lesezirkel angeschafft werden. Der Hochw. Herr Schulinspector ermunterte seine untergebenen Lehrer durch eine herzensrührende Anrede auf, dass sie doch in ihrem Dienste eifrig, liebevoll unermüdet fortfahren sollten. Er versicherte ihnen nicht allein den Lohn auf dieser Welt, durch das innere Bewusstsein, ihre Pflicht erfüllt zu haben, sondern verwies sie auch dahin, was denen von Jesus verheißen wurde, die an seiner Lehre arbeiten.

1839
Bei dem jedes Jahr im Herzogtum Nassau durchgeführten Wettbewerb im Garnspinnen erringt die jüngste Tochter einer Familie aus Niederahr den ersten Preis, nachdem bereits in den Jahren zuvor zwei Schwestern die gleiche Ehrung zuteil wurde. Die Sonntags- und Abendschule nimmt im Herbst 1839 ihren Anfang. Sie wird sonntags nachmittags von 2 bis 4 und mittwochs und samstags von 7 bis 9 Uhr von Lehrer Wittayer gehalten. Er unterrichtet 21 Schüler im Alter von 14 bis 20 Jahren im Lesen, Schreiben, Rechnen, Gesang und in der Sprachlehre. Die Gemeinde muss den nötigen Bedarf anschaffen: Öl zur Beleuchtung am Abend, Papier, 1/3 Klafter Holz extra zum Heizen. Außerdem erhält der Lehrer im Sommer 1840 eine Sonderzuwendung in Höhe von 36 Gulden aus der Gemeindekasse.

1842
Im März erscheint ein großer Komet am Himmel. Die Menschen betrachten ihn als Ankündigung kommender Katastrophen. Tatsächlich folgt ein Sommer mit anhaltender Hitze und großer Trockenheit, der eine verheerende Dürre, Missernte, allgemeine Teuerung und zahlreiche Feuersbrünste verursacht.

1845
6 Wochen lang findet ein tägliches Trauergeläute von 12 bis 1 Uhr wegen des Todes der Kaiserlichen
Hoheit Herzogin Elisabeth Michailowna, Großfürstin von Russland, statt. Sie starb bei der Geburt einer Tochter, die ebenfalls verstarb.
Im Schuljahr 1845/46 (1.4.45 – 31.3.46) beträgt die Schülerzahl 110.

1851
Lehrer Wittayer wird nach 54 Dienstjahren an der Schule in Oberahr auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt. Er ist 71 Jahre alt, seine Pension beträgt 260 Gulden im Jahr. Als sein Nachfolger wird zum 31. Dezember 1851 bestimmt: Peter Roth, geb. am 2. Nov. 1823 in Engenhahn, Amt Idstein

1852
Ein Schüler wird am Abend des 18. Mai tot, mit einer Kette um den Hals, an einem Baum hängend, gefunden. Obgleich noch mehrere Knaben bei ihm sind, kann der genaue Hergang nicht geklärt werden.

1859
Durch eine Verordnung der Landesregierung vom 9. März 1859 wird der Schulverband zwischen Oberahr und Ettinghausen, der seit 1817 bestanden hat, aufgelöst. Oberahr zählt zu diesem Zeitpunkt 82 Familien, Ettinghausen 45. Peter Roth erhält als Besoldung nunmehr 300 Gulden jährlich. Dazu kommen noch 40 Gulden als Ausgleich für nicht vorhandenes Schulgut (dem Lehrer von der Gemeinde zur Verfügung gestelltes Ackerland und Wiesen). Für die Zeit vom 1. Juli 1858 an wird ihm eine jährliche Sondervergütung von 60 Gulden gezahlt, so lange die Schulkinder von Ettinghausen in Oberahr mit unterrichtet werden. In Ettinghausen wird in dieser Zeit eine Schule mit Lehrerwohnung gebaut. Mit dem 1. Januar 1861 beginnt hier der Schulbetrieb. Auch in Oberahr wird dem Lehrer eine Wohnung hergerichtet, in die er am 1. März 1861 einzieht. Wo sich diese befindet, ist nicht angegeben.

1861
Lehrer Roth wird versetzt, nach ihm kommt Andreas Heinz, am 6. Jan. 1834 in Großholbach geboren.

1866
Lehrer Heinz erkrankt am Nervenfieber. Die Schule wird von Anfang August bis 11. November geschlossen. Auch 13 Schüler werden von der bösartigen Krankheit befallen und müssen teilweise 15 – 20 Wochen das Bett hüten. Zwei Geschwister sterben.
Nassau wird preußische Provinz.

1869
Während des Sommers wird der Schulsaal einer gründlichen Reparatur unterzogen. Er erhält einen neuen Boden und eine dauerhafte Lampe in etwa 3 Fuß Höhe. Wände und Fenster werden gestrichen. Die Kosten betragen über 100 Thaler. Auch wird ein neuer Schulofen angekauft.

1872
In Nassau herrscht großer Lehrermangel, 100 Stellen sind nicht besetzt.

1876
Lehrer Heinz geht nach Oberhöchstadt, Amt Königstein. Zum 1. Jan. 1876 tritt Peter Lauth seinen Dienst an. Er ist am 3. Jan. 1851 in Niederahr geboren, sein Vater ist der dortige Lehrer. Vorher unterrichtete Lehrer Lauth 5 Jahre als Lehrvikar in Ettinghausen und 9 Monate in Sainerholz.
In den Schulvorstand werden gewählt: Johann Ihl und Heinrich Bernardi.

1879
Mit dem 1. Juli wird Lehrer Lauth nach Niederahr versetzt und die Schule dem Lehrer Adam Schmidt, bisher Sainerholz, übertragen.

1880
Lehrer Schmidt wird am 15. Okt. nach Schenkelberg versetzt, es kommt Jakob Gasteyer von Oberhattert nach Oberahr. Lehrer Gasteyer ist geboren im Jahre 1855 zu Weidenhahn. Sein Vater war dort Lehrer, er wurde, als Jakob 3 Jahre alt war, nach Dernbach versetzt. Hier verlebte Jakob seine Kinder- und Schulzeit. Die Ausbildung zum Lehrer absolvierte er am Lehrerseminar zu Montabaur.

1881
Lehrer Gasteyer läßt von einem Kollegen aus Kaden Grenzen und Flächeninhalt der Baumschule feststellen. Ergebnis: Größe 4 bis 5 Ruten, Lage im Garten rechts vom Schulsaal, vom oberen Seitenweg abwärts bis zum zweiten Seitenweg (es kann sich nur um das Grundstück handeln, auf dem 20 Jahre später die jetzige Schule gebaut wurde)

1884
Eine neue Schülerin wird aufgenommen. Sie wurde von Kaub zur Zwangserziehung in eine Familie nach Oberahr dirigiert, weil sie ihren Bruder zu einem Diebstahl animiert hatte, wobei sie Schmiere stand.

1885
Schülerzahl 92. Weil der Platz nicht ausreicht, muß Lehrer Gasteyer vormittags und nachmittags unterrichten. Vormittags die Schuljahre 4 – 8 mit 52 Schülern, nachmittags 1 – 3 mit 40.

1889
Seinem „Wunsch gemäß“ wird Jakob Gasteyer zum 1. Nov. in den Ruhestand versetzt. Ihm folgt der Lehrer Johann Georg Kraus, geb. am 22. Dez. 1858 zu Werschau (Krs. Limburg). Auch er hat seine Ausbildung im Lehrerseminar zu Montabaur erhalten. Seine vorherige Stelle war Öllingen.

1900
Am 30. Januar treffen sich Gemeindevertretung, Schulvorstand, Landrat, Kreisbauinspektor, Kreisschulinspektor und der Königl. Kreisphsikus in der Schule zur Besichtigung. Man kommt zu der Überzeugung, dass die Mängel an Schule und Lehrerwohnung eine Sanierung nicht lohnen, und beschließt, eine neue Schule zu bauen. Die Frage nach dem Standort macht zunächst Probleme, kann aber durch den Landrat gelöst werden. Im Laufe des Sommers entwirft Bautechniker Löwenguth aus Montabaur die Zeichnung, so dass das Projekt am 7. Januar 1901 vom Landratsamt in Westerburg genehmigt wird. Daraufhin werden die Arbeiten öffentlich vergeben.

1901
Zum 1. Januar wird die Seelsorge für Oberahr von Meudt nach Niederahr übertragen. Pfarrer in Niederahr und gleichzeitig Ortsschulinspektor wird der Expositus Fischer.Ein trockener Sommer begünstigt die Arbeiten, die rasch voranschreiten. So kann die neue Schule bereits am 22. Oktober 1901 in Gegenwart des Kreisschulinspektors, Pfarrer Laufer von Hahn, der Pfarrer von Meudt und Niederahr, des Kaplan Weis aus Meudt, der Lehrer des Kirchspiels Meudt, des Schulvorstandes und der Gemeindevertretung eingeweiht werden.

1904
Am 19. Juni 1904 wird die neue Kapelle durch Pfarrer Roth, ein Kind der Gemeinde, im Beisein des Expositus Fischer aus Niederahr und des Kaplan Jeuk aus Meudt eingesegnet. Zusammen mit Ettinghausen und Sainerholz wird eine Kapellengemeinde gebildet.

1906
Die Expositur Niederahr wird mit dem bisherigen Kaplan von Meudt, Expositus Jeuk, besetzt. Er tritt seinen Dienst am 21. November an. Damit geht der Wunsch der Bürger von Oberahr, Ettinghausen und Sainerholz in Erfüllung, in Oberahr Gottesdienst zu bekommen. Er findet sonntags um halb 9 statt.

1907
Am Montag, den 25. August, nachmittags 2 Uhr, wird der neue Friedhof, an der Landstraße nach Niederahr gelegen, eingesegnet.

1909
Ein Hochwasser, „wie es dahier noch kein Mensch gesehen hat“, ereignet sich am 4. Februar. Die Erde ist stark gefroren, der Schnee liegt hoch. Plötzlich, am 3. Februar, regnet es stark und anhaltend. Der sonst so kleine Ahrbach wird zu einem reißenden Strom. Er überflutet die Wiesen und dringt in Häuser, Ställe und Scheunen ein. Manche Gebäude sind so vom Wasser umflossen, dass deren Kinder am 4. Febr. nicht zur Schule gehen können. Bei Staffel ertrinken 3 Menschen in den Fluten des Elbbachs, in Langendernbach kommt eine Person ums Leben. Es werden Sammelstellen eingerichtet, um den vom Hochwasser Geschädigten zu helfen.
Am 11. März 1909 begeht die Gemeinde Oberahr ein Fest, „welches seit 25 Jahren dahier nicht begangen wurde“: Der Neupriester Julius Kraus, ein Sohn des Lehrers Johann Georg Kraus, feiert Primiz. Alle Bewohner nehmen Anteil daran, Straßen, Kirche und auch die Schule sind geschmückt. Als der junge Priester Einzug hält, verkünden Böllerschüsse und Glockenläuten seine Ankunft. Bei dem ersten Messopfer ist die Kirche überfüllt. Pfarrer Jeuk von Niederahr hat sogar eine vierstimmige Messe für gemischten Chor eingeübt.
Um der Landflucht Einhalt zu gebieten, wird die Besoldung der Lehrer verbessert. Ein Lehrer erreicht nach 31 Dienstjahren jetzt ein Einkommen von 3300 Mark (im Jahr).



Schul- und Dorfereignisse ab 1912

1912
Der Spätsommer bringt eine anhaltende Regenperiode. Wochen um Wochen vergehen, und der Hafer kann nicht hereingeschafft werden. Das Korn steht in Hausten und ist handlang gewachsen. Tag für Tag arbeiten die Bauern an der gemähten Frucht, stellen sie auf, drehen sie um u.s.w., über Nacht wieder das alte Regenwetter. Der Lehrer wird ständig genervt wegen Urlaub für die Schulkinder.

1914
Anfang August beginnt der 1. Weltkrieg. Auch in Oberahr gibt es bald die ersten Gefallenen. Am 20. August fällt in Frankreich Jakob Schönberger, 23 Jahre alt. Ende September wird Johann Nied, 32 Jahre alt, in Frankreich vermisst, und am 11. Januar 1915 stirbt Matthias Nilges in einem Lazarett in Russland.

1917
Zu Anfang des Schuljahres (April) erkrankt Lehrer Kraus. Ab dem 1. Mai versieht daher die Lehrerin Prinz aus Sainerholz die Schulstelle. Am 29. Oktober stirbt Lehrer Kraus mit 58 Jahren. Zitat: „Herr Lehrer Kraus wirkte 28 Jahre an hiesiger Schule. Er hat es verdient, dass Oberahr ihm ein treues Andenken bewahrt“. Seine Nachkommen (Heinz Kraus beispielsweise war einer seiner Enkel) leben heute noch in Niederahr. Bis zu den Weihnachtsferien unterrichtet weiterhin Lehrerin Prinz.

1918
Clara Schwärtzel übernimmt am 7. Januar 1918 den Dienst an der Schule in Oberahr. Sie ist am 2. Januar 1898 in Lebach, Kreis Saarlouis, geboren. Ihre Ausbildung für das Lehramt absolvierte sie am Lehrerinnen-Seminar zu Eltville a. Rhein. Nach der Abschlussprüfung 1917 war sie 2 Monate an einer Schule bei Saarlouis tätig, dann wurde sie nach Oberahr versetzt. Ihr Bleiben ist aber nicht von Dauer, denn bereits zum 15. Dezember wird die Stelle an den Lehrer Julius Ihl übertragen. Dieser ist geboren am 22. Februar 1896 zu Ötzingen. Dort besuchte er die Volksschule und danach 3 Jahre die Präparandenanstalt zu Montabaur. Anschließend nahm er sein Studium am Lehrerseminar auf, bestand im September 1915 die Abschlussprüfung und wurde dann eingezogen. Ende November 1918 aus dem Heeresdienst entlassen betraut man ihn mit der Lehrerstelle in Oberahr.

1919
Oberahr erhält eine neue Orgel.
Seit Dezember 1919 sind die Amerikaner im Dorf. Auch die Schule hat darunter zu leiden. Oft muss das Klassenzimmer für die Amerikaner geräumt werden, wobei dann der Unterricht tagelang ausfällt. Zerstörungen im Schulsaal durch alkoholisierte amerikanische Soldaten sind die Begleiterscheinungen. Die Rechenmaschine wird zerbrochen, die Schulgeige verbrannt, Fensterscheiben werden eingeschlagen u.s.w..

1920
Zum ersten Mal wird ein Elternbeirat gewählt. Er setzt sich wie folgt zusammen:
Vorsitzender: Melchior Steudter, Wagner
Schriftführer: Peter Schwickert II, Landwirt
Weitere Mitglieder: Franz Schuster, Landwirt
Peter Nilges, Landwirt (war 5 ½ Jahre in franz. Gefangenschaft)
Peter Blaum, Landwirt

1922
Die Inflation nimmt ihren Lauf. Im Herbst kostet 1 Pfund Butter 100 Mark, 1 Ei 8 Mark.

1923
Clevere Oberahrer! Viele Arbeiter, die am Ruhrstreik teilgenommen haben, werden auf Druck der Franzosen entlassen und erhalten Unterstützung vom deutschen Staat. Daraufhin melden sich über 60 Oberahrer Männer(fast alles reine Landwirte) erwerbslos und kassieren Arbeitslosengeld. In der Oberahrer Gemeinde wird der Bau einer Wasserleitung und einer elektrischen Lichtleitung beschlossen. Dank der Initiative der Gemeinde Niederahr, die am Bau mitbeteiligt ist, wird der Bau der Wasserleitung auch begonnen. Eine Dorfhälfte ist bereits mit Wasser versorgt, dann gibt es Streit in der Gemeinde, und das Projekt wird gestoppt: „Nun kam ein mehrjähriger Schlaf“. Der Bau der Lichtleitung war sogar schon 1919 begonnen, aber auch unterbrochen worden, obwohl in den meisten Häusern die Installation schon beendet war. 1923 endlich, nach der Ruhraktion, soll’s dann weitergehen. Die Masten für die Fernleitung werden angefahren, doch erneut kommt die Sache zum Erliegen: „Es wird angefangen, und bald wieder aufgehört!“
Auch die Schule leidet unter der chronischen Untätigkeit. Fenster, Türen und der Fußboden müssten unbedingt gestrichen werden. Der Schulhof ist bei Regenwetter unpassierbar, die Aborte nicht zu erreichen, so tiefgründig ist der Schlamm. Im Schulzimmer fehlt es an den nötigsten Einrichtungsgegenständen. Die Lehrerwohnung, obwohl eigentlich neu, ist sehr ungesund, weil keine Türe und kein Fenster richtig schließt. Das Dach ist seit 3 Jahren reparaturbedürftig. Bei starkem Regen muss der Lehrer auf dem Speicher eine Bütte aufstellen, damit es nicht durch die Decke in die Zimmer tropft. Im Hofe liegen schon seit Jahresfrist einige Tannenstämme, die zur Einfriedung des Schulhofes dienen sollen. Eine solche ist nötig, weil der angrenzende Nachbar es nicht dulden will, dass ein beim Spielen auf sein Grundstück gefallener Ball von den Kindern wieder geholt wird. Auch soll durch eine Umzäunung des Schulhofes dem sich jedes Jahr wiederholenden Stehlen des Schulholzes Einhalt geboten werden. Alle diese Schäden und Mängel sind bekannt, aber niemand denkt daran, sie zu beseitigen. Immerhin hat jetzt die Regierung verfügt, dass die Kreisschulräte ein besonderes Augenmerk auf die Schulgebäude und ihre Instandhaltung richten sollen.

1924
Schülerstand zu Beginn des Schuljahres (nach Ostern 1924): 45
Der Sommer des Jahres 1924 bringt für den Westerwald viel Schlechtes. Ist schon die Frühjahrsbestellung durch eine Regenperiode sehr spät erfolgt, da zerstört ein zweimaliges Hagelwetter das letzte Fünkchen Hoffnung. Die Hagelkörner fallen in der Größe eines Hühnereies zu Boden. Ein Bauer aus Ötzingen (Heimatdorf von Julius Ihl) wiegt ein solches und stellt das erstaunliche Gewicht von 50 g fest. Kein Wunder, wenn da die Feldfrüchte gänzlich vernichtet, Fensterscheiben und Dächer zerschlagen werden. Am schwersten getroffen werden die nördlich und nordwestlich von Oberahr gelegenen Dörfer. Was der Hagel übrig gelassen hat, zerstört eine Regenperiode, die seit Mitte Juli bis in den September anhält. Das Getreide ist zu über 75% ausgewachsen. Kartoffeln und Viehfutter verfaulen, so dass es dieses Jahr eine Missernte gibt, wie sie seit Menschengedenken nicht mehr da war. Etwas Gutes ist aber dennoch zu vermelden. Der gute Ausgang der Londoner Konferenz und die Annahme des Dawesgutachtens bewirken, dass am 10. September 1924 die Zollschranken fallen. Dass der Westerwald durch eine Zollgrenze in zwei Teile geteilt war, hat schweren Schaden verursacht. Die Gemeinde Oberahr beispielsweise musste allein 2000 Rentenmark an Zoll für die beim Bau der Wasserleitung benötigten Materialien an die Franzosen bezahlen, und dazu noch 100 M Strafe für ungenügende Erledigung der nötigen Formalitäten. Vom 19. 10. bis 26. 10. findet in Oberahr eine Mission statt, die erste seit Bestehen der Pfarrei. Die Patres (Kapuziner) wenden sich gegen den materialistischen Geist der heutigen Zeit und mahnen zur Umkehr. Zum ersten Mal wird in diesem Jahr eine ländliche Fortbildungsschule errichtet. Zu Oberahr als Schulort gehören noch Niederahr und Sainerholz. Der Unterricht beginnt am 11. November, er erstreckt sich auf Deutsch, Staatsbürgerkunde, Rechnen und landwirtschaftliche Naturkunde und wird erteilt von Lehrer Ihl, Oberahr, und Lehrer Tschiggfrei, Sainerholz.

1926
Im Mai wird der Bau der elektrischen Lichtleitung fortgesetzt. Es dauert 6 Wochen, und dann erstrahlt an den Kirmestagen (20. und 21. Juni) das Dörfchen abends in einer nie gekannten Lichterfülle. Bürgermeister Schwickert hat es fertig gebracht, bei an sich leerer Gemeindekasse die Jagdpächer zu bewegen, so viel Jagdpacht im voraus zu zahlen, dass davon die Baukosten gedeckt werden können.

1927
Am 27. Juli gibt es ein Unwetter, wie es von den ältesten Leuten noch nicht erlebt wurde. Einem Wirbelsturm fallen ungefähr 100 Obstbäume und 100-200 Festmeter schönsten Buchenbestandes zum Opfer. Einem armen Arbeiter deckt der Sturm das ganze Hausdach ab. Ein Landwirt will während des Unwetters sein Scheunendach abdichten, wird aber vom Sturm erfasst und vom Dach heruntergeworfen, dass er besinnungslos liegen bleibt. Zum Glück sind die Verletzungen nicht lebensgefährlich. Auch in diesem Jahr wird wieder Unterricht in der ländlichen Fortbildungsschule erteilt. Zum ersten Mal gibt es auch Mädchenfortbildungsschulen. Die Schülerinnen der Gemeinde gehen wöchentlich einmal zum Unterricht nach Meudt. Innerhalb eines Monats ziehen 21 Personen von Oberahr weg. „Keiner will mehr Bauer sein!“ Während überall große Wohnungsnot herrscht, stehen in Oberahr infolge dieser Massenabwanderung verschiedene Häuser leer. Die Schülerzahl sinkt auf 38.

1928
Am Pfingstmontag wird eine Gedenktafel für die im Weltkrieg Gefallenen eingeweiht. Die Tafel, die von einem Künstler in Kevelaer entworfen und ausgeführt wurde, findet ihren Platz in der Kirche. Sie trägt die Namen von 27 Männern (11 von Oberahr, 13 von Ettinghausen und 3 von Sainerholz), die im Kampf ums Leben kamen. Am 15. Juli werden die Bewohner überrascht durch ein vollständiges Glockengeläute. Bisher war dieses eher dünn und erbärmlich und stand in keinem Verhältnis zu der schönen Kirche. Da bietet sich die Gelegenheit, von der Gemeinde Baumbach für billiges Geld zwei schöne Glocken zu kaufen. Lehrer Ihl und Bürgermeister Schwickert fahren nach Baumbach und prüfen, ob die Glocken mit den schon vorhandenen ein annehmbares Geläute ergeben. Da dies der Fall ist, wird der Kauf getätigt. Noch am gleichen Tag werden die Glocken abgeholt und im Kirchturm aufgehängt. Die Freude steigert sich noch, als die Jagdpächter 500 Mark für die Anschaffung der Glocken spenden.



Schul- und Dorfereignisse 5 ab1928

1928
Das gab’s bisher noch nicht: Am 10. September machen die fünf oberen Jahrgänge einen Ausflug nach Limburg. Dort wird u. a. die Geschäftsstelle der Limburger Vereinsdruckerei besichtigt. In äußerst liebenswürdiger Weise werden die Kinder aus Oberahr aufgenommen. Sie besichtigen den Betrieb und erhalten zum Schluss Gebäck und Milchkakao in der Wohnung des Direktors. Da die alten Aborte mit der alten Schule verkauft wurden, werden in den Herbstferien neue erbaut.

1929
Am 15. Januar beginnt die Firma Gebr. Hartmann Elberfeld im Distrikt „Hochwald“ mit der Anlage eines Steinbruches. In der Hauptsache sollen Pflastersteine, daneben auch Schotter und Basaltsand hergestellt werden. Man hofft auf ein abbaufähiges Lager im Interesse der Gemeindekasse und der Männer, die zu ihrer Arbeitsstelle oft stundenlang fahren müssen. Der Winter ist sehr streng. Im Dorf gibt es viele Rohrbrüche, in der Schule sind in einer Nacht, als die Temperatur bei –36° liegt, sämtliche Tintenfässer geplatzt. Die Kinder müssen in die Nähe des Ofens gesetzt werden, weil es in den hinteren Bänken vor Kälte nicht auszuhalten ist. Die Hoffnung, dass der neue Steinbruch Verdienstmöglichkeiten bringen würde, erfüllt sich nicht. Die Versuche ergeben kein brauchbares Gestein, so dass man mit der Aufschließung Schluss macht. Auch Bohrungen nach Ton bringen keine Ergebnisse. Wie alljährlich, so beteiligt sich auch in diesem Jahr die Schule an den Kreisjugendkämpfen. Die Staffel mit den Schülern Alois Zerfaß, Alois Görg, Gottfried Müller und Alfred Ramroth erringt in der Mittelstufe den Sieg und erhält einen Wimpel. 4 weitere Schüler belegen ebenfalls gute Plätze. Zum Gedächtnis an den 11. August 1919, den Tag, wo die Reichsverfassung in Kraft trat, wird jeder Schule ein Buch „Deutsche Einheit, deutsche Freiheit“ übersandt mit der Weisung, es dem besten und würdigsten Schüler zu überreichen. In Oberahr erhält es der Schüler Gottfried Müller.

1931
Ab 23. Februar gehört Oberahr zum Postbezirk Montabaur-Land. Täglich zweimal werden jetzt Postsachen per Auto zugestellt. Die Poststelle übernimmt Bürgermeister P. Schwickert II. Im Winterhalbjahr wird wieder Unterricht in der ländlichen Fortbildungsschule erteilt. Auch Ettinghausen schließt sich an.

1932
Am 1. April 1932 wird der Schulaufsichtsbezirk Westerburg aufgehoben. Oberahr wird dem Aufsichtsbezirk Montabaur zugeteilt. Schulrat ist Herr Klemann. Im Sommer wird auf dem Beulstein (Gemarkung Oberahr) ein Leuchtfeuer für Nachtflugzeuge errichtet. Es sieht gespensterhaft aus, wenn die mächtigen Strahlen des Feuers durch die Nacht huschen. Ab dem 1. Oktober gehört Oberahr dem aus den beiden Kreisen Westerburg und Oberwesterwald neu gebildeten Kreis Oberwesterwald an.

1933
Am 1. Oktober wird auch in Oberahr der Tag der deutschen Bauern in würdiger Weise begangen. Am Tag vorher haben die Einwohner einen Wagen für den Festzug in Meudt geschmückt. Er trägt das Motto: „Was wir anbauen“ und zeigt alle landwirtschaftl. Erzeugnisse vom kleinen Blättchen Feldsalat bis zur Garbe. Die Ausschmückung und Aufmachung des Wagens ist derart gut gelungen, dass der Oberahrer Wagen allgemein als der beste bezeichnet wird.

1934
Die Schule beteiligt sich an den Vorbereitungen für das kommende Winterhilfswerk. Sie sammelt Brombeeren, aus denen 25 Pfund feinstes Gelee für die Notleidenden bereitet werden. Auch Fallobst wird gesammelt und zu Gelee verarbeitet.

1935
Wieder beteiligen sich die Oberahrer Schulkinder am Winterhilfswerk. Es werden u.a. annähernd 6 Zentner Äpfel und 1,50 Zentner Hülsenfrüchte gesammelt. Zu Weihnachten sammeln die Kinder Lebensmittel, die in 2 Paketen zu je 30 Pfund verpackt und an zwei notleidende Familien in Frankfurt/ Main gesandt werden.
Die Schülerzahl beträgt wegen mehrfacher Wegzüge nur noch 32. Am 25. 4. 1935 nimmt die Gemeinde Oberahr Abschied von ihrem Lehrer Julius Ihl, der seit 15. 12. 1918 hier tätig war und nach Lorch am Rhein versetzt wurde. Der Gesangverein, dessen Leiter Lehrer Ihl war, trägt einige Lieder vor, und der Vorsitzende Johann Nied überreicht zum Andenken eine Wagnerbüste. Bürgermeister Schwickert nimmt in bewegten Worten Abschied von Lehrer Ihl und übergibt zur Erinnerung ein Gemälde des Dorfes, mit dessen Ausführung Malermeister Heinrich Klein beauftragt war. Ende Mai erfolgt der Umzug der Familie Ihl nach Lorch. Da auch die beiden Kinder die Schule verlassen, beträgt die Schülerzahl nur noch 31. Als Nachfolger tritt am 24.4.1935 Georg Junglas seinen Dienst an. Er ist am 2. 2. 1903 zu Montabaur geboren. Von Ostern 1909 bis 1923 besucht er die Seminarschule, das Gymnasium, die Präparandie und das Lehrerseminar zu Montabaur. Da zu dieser Zeit keine Lehrer eingestellt werden, arbeitet er von April bis Dezember 1923 beim Finanzamt in Montabaur. Danach erhält er eine Stelle als Hauslehrer und Geschäftsführer bei der Firma Heinrich Borgmann, Kornbranntweinbrennerei in Gruiten/ Rhld. Ab August 1926 macht er eine Fortbildung an der Preußischen Hochschule für Leibesübung in Spandau und kommt als staatl. geprüfter Turn- und Sportlehrer an die Oberalschule in Bad-Ems. Im Oktober 1934 wird er in den Volksschullehrerdienst zurückversetzt, macht bis Ostern 1935 Vertretung in Bad-Ems und erhält zum 23. 4. 35 die Lehrerstelle in Oberahr. Für das Winterhilfswerk sammeln die Kinder 40 Brote und 25 Pfund Bucheckern. Außerdem wird ein Paket mit Kinderwäsche an die Familie Alt in Geden (Oberhessen) versandt.

Schuljahr 1936/37
Am 17. und 18. 4. herrscht ein derartiges Unwetter und Schneegestöber, dass die Kinder die erste Stunde nicht zur Schule gehen können. Ein Spurschlitten muss erst fahren, ansonsten bliebe man im Schnee stecken. Das Dorf ist von der Außenwelt abgeschnitten, kein Strom mehr, weil die Leitungen zerstört sind. Kein Radio, keine Zeitung, denn der Postwagen kann nicht fahren. Der Schaden im Wald ist ungeheuer, 2000 fm Tannen sind vernichtet.
Im Sommer wandert die Klasse einige Male nach Wirges ins Schwimmbad. Die meisten Kinder baden zum ersten Mal. Am 12. 9. 1936 führt ein Ausflug mit dem Auto (mit der Schule Ettinghausen) nach Höhr-Grenzhausen zur Ausstellung, zur Festung Ehrenbreitstein und nach Arenberg. Schöner Ausflug!
Erstmalig findet eine Weihnachtsfeier mit Theateraufführung statt. Das Stück heißt „Peters Christbaum“ und muss zweimal gespielt werden.
Endlich hält auch der Schulfilm Einzug. Mehrere Vorführungen finden statt, abends auch für die Eltern. Zum ersten Mal führt die Nassauische Landesbank Montabaur auch einen Tonfilm vor. Auf dem Fest der Jugend am 16. 6. 36 in Meudt werden Völkerballspiele ausgetragen, und zwar 2 gegen Ettinghausen und 1 gegen Niederahr. Alle drei enden mit einem Sieg der Schule von Oberahr.
Am Sonntag, dem 21. 3. 37, wird eine Ausstellung der Handarbeitssachen der Mädchen und der Segelflugzeuge der Jungen veranstaltet. Nach 2jähriger Tätigkeit in Oberahr wird Georg Junglas nach Frankfurt/M. versetzt.

Schuljahr 1937/38
Am 26. April tritt Rudolf Schmidt seinen Dienst an der Volksschule Oberahr an. Er stammt aus Montabaur, wo er am 15. März 1912 geboren wurde. Nach dreijähriger Volksschulzeit besucht er das Gymnasium zu Montabaur, legt 1930 die Reifeprüfung ab und studiert dann an der Pädagogischen Akademie Bonn. Es folgen Lehrtätigkeiten in Niederelbert, Wirges, Gackenbach, Horbach und Gräveneck bei Weilburg. Dann erhält er die Versetzung nach Oberahr. Im Juni 37 unternimmt die Schule einen dreitägigen Ausflug ins Siebengebirge. Die Fahrt bei herrlichstem Wetter hinterlässt bei den Kindern einen tiefen Eindruck. Bei der Weihnachtsfeier tritt zum ersten Mal der neu ins Leben gerufene Blockflötenchor auf.


Schuljahr 1938/39
Zwei besondere Veranstaltungen finden am 27. November 38 und 4. Febr. 39 statt: ein Hausmusik- und Kasperleabend. Vor zahlreichen Zuhörern aus dem Dorf spielt der Flötenchor Märsche, Wiener Tänze und bekannte Volkslieder. Ein Flötentrio bietet sogar Stücke von Haydn und Mozart. Für den Kasperleabend haben die Kinder Bühne und Figuren selbst gebastelt. Beide Veranstaltungen finden bei den Besuchern großen Anklang.

Schuljahr 1939/40
Die Schule in Sainerholz wird zu Schuljahrsbeginn geschlossen, die 16 Kinder werden in Oberahr eingeschult. Ab 15. August 39 nimmt Lehrer Schmidt an einer militärischen Übung teil. Die Vertretung übernehmen Wilhelm Nagel und Regina Weis, beide aus Niederahr. Lehrer Schmidt kehrt von der Übung nicht zurück, denn am 1. September 1939 beginnt der 2. Weltkrieg. Nach den Weihnachtsferien wird die Schulstelle Oberahr an die Lehrerin Regina Weis übertragen.
Im Februar kommt Einquartierung nach Oberahr, „von der Jugend, aber auch von den Alten, mit Begeisterung und Dank aufgenommen“. Die Soldaten bleiben bis zum 10.Mai.

Schuljahr 1940/41
Nach den Sommerferien wird die Lehrerin wegen Erkrankung beurlaubt und die Schule durch die Lehrer Nagel (Niederahr) und Weiand (Ettinghausen) mitversehen. Am 1. November tritt Weis ihren Dienst wieder an. Der Winter regiert mit großer Strenge. Es ist sehr kalt und schneit ununterbrochen, so dass die Kinder von Sainerholz an manchen Tagen überhaupt nicht zur Schule kommen. 1941/42. Auch in diesem Winter weht auf dem Westerwald ein „kühles“ Lüftchen. 26 Grad und mehr zeigt das Thermometer unter dem 0 Punkt. In der Schule tauen die Fenster überhaupt nicht mehr auf, oft beginnt der Unterricht mit 2 – 3 Grad minus. Zwar gibt es vor Weihnachten einen neuen Ofen, jedoch ist dieser zu klein und hat zu wenig Leistung, um den Schulsaal ausreichend zu erwärmen. Zum Glück wird wegen des harten Winters im Februar eine fast 3 wöchige Schließung der Schulen angeordnet.
Die Entlassungsfeier kurz vor Ostern verdient es, in der Chronik verewigt zu werden. Hier der Originaleintrag der Lehrerin Regina Weis:

Die Schülerinnen des 6. und 7. Schuljahres erhielten durch Spenden die Rohstoffe zur Veranstaltung eines „Kaffeekränzchens“. So prangte denn am 21. März, dem Entlassungstag, der Schulsaal im Festschmuck. Die Bänke waren beiseite gerückt und hatten Tischen Platz gemacht, die mit weißen Decken (Papier) und Tannengrün geziert waren. Besonders schön nahm sich der Tisch der „Großen“ aus. Die kleine Festversammlung nahm Platz und erwartete den Einzug der Scheidenden. Unter Absingen eines Frühlingsliedes wurden diese an ihre Plätze geleitet. Dann gab’s zunächst Kaffee (aus Deutschland) und Kuchen, denn die Kinder hatten, den bevorstehenden Genüssen zuliebe, auf ihr 1. Frühstück verzichtet. Als die Mäulchen soweit gestopft waren, wurde deklamiert und gesungen. Eine herzliche Ansprache wies die Kinder auf die Bedeutung der Entlassung hin.

Zum 1. Oktober wird die Stelle an der Volksschule Oberahr der Lehrerin Christa Greve übertragen. Sie ist am 8. 3. 1923 in Neutomischel in der damaligen Provinz Posen geboren. Der Vater, ein evang. Pastor, übernimmt 1929 eine Gemeinde in Bochum. Hier besucht Christa die Volksschule, danach die Oberschule für Mädchen. Nach Ablegen der Reifeprüfung 1941 und Studium an der Lehrerbildungsanstalt in Dortmund möchte sie sich dem Studium der Philosophie widmen, erhält aber wegen des Lehrermangels keine Freistellung. Nach den Herbstferien 1942 tritt sie am 12. Oktober ihren Dienst in Oberahr an.

Schuljahr 1942/43
Die Schulklasse von Ettinghausen mit über 30 Kindern wird nach Oberahr überwiesen, weil der dortige Lehrer eingezogen wurde. Da der Klassenraum die 80 Kinder nicht fasst, unterrichtet die Lehrerin vormittags von 8 bis 11 die Oberstufe und anschließend die Unterstufe von 11 bis 13 Uhr.

Schuljahr 1943/44
Weiterhin Unterricht in zwei Abteilungen. Das „Ereignis des Schuljahrs“ bildet ein Ausflug der Oberstufe mit Niederahr zusammen zum Kloster Marienstatt. Mit den Entlassungsschülern unternimmt die Lehrerin eine Fahrt nach Limburg. Schon während der Fahrt beobachten sie Einflüge feindlicher Fliegerverbände.
Der erste Gang in Limburg führt in den Luftschutzkeller, den sie glücklicherweise nach 1 Stunde wieder verlassen können. Nach der Besichtigung des Domes muss die Lehrerin den Bitten der Schüler nachgeben und mit ihnen ins Kino gehen, wo ein Lustfilm gezeigt wird. Gegen Ende des Sommers nehmen die Einflüge und Angriffe feindlicher Flieger immer mehr zu, so dass die Klasse öfters den dunklen feuchten Schulkeller (ohne Licht und Sitzgelegenheit) aufsuchen muss.

Schuljahr 1944/45
Ab 15. Dezember 1944 wird Ettinghausen wieder selbständig. Bis zum 7. März 1945 kann der Unterricht noch aufrechterhalten werden, dann wird die Schule von deutschen Soldaten (Volkssturm) belegt. Kaum haben diese das Dorf verlassen, rollen am 26. März die ersten amerikanischen Panzer hindurch. Die Besetzung Oberahr’s erfolgt völlig kampflos. Bald darauf werden 30 Amerikaner mit einem Hauptmann für 11 Tage im Schulsaal und den leerstehenden Räumen der Lehrerwohnung einquartiert. Die Lehrerin darf, weil sie oft den Dolmetscher machen muss, mit ihrer Mutter im Schulhaus wohnen bleiben, während andere Häuser völlig geräumt werden müssen. Am 31. März 45 hält sie „heimlich“ in ihrer Wohnung die Entlassungsfeier mit 3 Jungen und 4 Mädchen, nachdem sie beim Captain die Erlaubnis erwirkt hat, dass einige Schulkinder sie „besuchen“ dürften.
Den ganzen Sommer über bleiben alle Schulen geschlossen.

Schuljahr 1945/46
Am 1. Oktober wird der Unterricht wieder aufgenommen. Alle bisher benutzten Schul- und Lehrbücher bleiben verboten. Ab 8. Oktober muss die Lehrerin vertretungsweise die Volksschule Niederahr mitübernehmen. Sie unterrichtet montags, mittwochs und freitags in Niederahr (63 Kinder), dienstags, donnerstags und samstags in Oberahr(48 Kinder), erteilt jeden Tag 7 Unterrichtsstunden, muss aber dann wegen Überlastung einen Monat aussetzen. Vom 3. bis 8. Dezember findet für die gesamte Lehrerschaft des Kreises in Willmerod eine Umschulungstagung unter dem Vorsitz der Franzosen statt, in der alle Schulfragen und Probleme auf neuer demokratischer Grundlage erörtert werden.
Zum 1. Oktober 1946 wird Christa Greve auf eigenen Wunsch aus dem Schuldienst entlassen und widmet sich ihrem philologischen Studium.
Lehrer Frei ab 1946
Ab 21. Nov. 1946 wird Lehrer Heinz Frei von Bannberscheid nach Oberahr versetzt. Immer noch muss die Schule in Niederahr mitversehen werden (zusammen 76 Kinder). Die Kinder von Sainerholz, weiterhin in Oberahr eingeschult, kommen bei schlechtem Wetter und wegen miserablem Schuhwerk nur ganz unregelmäßig zur Schule. Lehrer Frei geht deshalb von Weihnachten an selbst nachmittags nach Sainerholz und erteilt dort den Unterricht: „50 Schulstunden in der Woche waren keine Seltenheit“. Zum Glück ist im April 1947 die Vertretung in Niederahr beendet, und auch Sainerholz bekommt eine Lehrerin.
Schulhaus, Scheune und Hof in Oberahr sind in einem schrecklich verwahrlosten Zustand. Arbeiter sind keine zu bekommen, Lehrer Frei muss sich selbst helfen. Schließlich gelingt es, einen Fuhrmann zu engagieren, der die Massen Unrat fortfährt. Den Schulhof ebnet der Lehrer ein und deckt ihn mit Kies, wofür er die Fahrer nebenbei mit Broten bei Laune halten muss. Juni 48 wird endlich der Zaun zwischen Schuhof und Grundstück A. Wolf errichtet.
Die Zeit vor der Währungsreform ist allen in trauriger Erinnerung. Die Viehabgabe ist sehr hart für die Bauern, denn eigentlich bräuchten sie die Zugtiere dringend für die schlechten und steilen Wege zu ihren Äckern. Die Kartoffelkäferplage steigert sich von Jahr zu Jahr, von einem großen Schaden kann man aber noch nicht sprechen.
Kurz vor Weihnachten 1948 verlässt Pfarrer Gotthard die Pfarrei und geht nach Ffm- Unterliederbach. An seine Stelle tritt Pfarrer Quirmbach, vorher Kaplan in Montabaur. Bürgermeister Hummrich wird bei der Bürgermeisterwahl wieder gewählt.
Es kommen die ersten Ostflüchtlinge:
1 aus Mährich Os.
1 aus Reichenbach Tsch.
2 aus Eidlitz Tsch.
4 aus polnisch Ostpreußen

Schuljahr 1951
Die schöne Linde vor der Kirche fällt im Frühjahr 51. Die Mauer des Kirchenvorplatzes wird wegen des starken Verkehrs zurückgesetzt. Seit Jahren hat Oberahr großen Mangel an Trinkwasser. Die 1947 begonnene Schürfung in der Struthwiese wird wieder eingestellt. 1950 gräbt man am Oberdörfer Brunnen und misst in der Stunde 76 cbm. Im Frühjahr 51 wird endlich, nachdem man mit Niederahr einig ist, mit dem Bau der Wasserleitung begonnen. Der Behälter der Pumpstation fasst 50 cbm. Es reicht noch nicht, die alte Zuleitung muß gereinigt werden, und jetzt ist genügend Wasser da. Die Niederahrer Kirche wird umgebaut, so dass in Oberahr der Gottesdienst für alle 4 Dörfer stattfindet.

Schuljahr 1952
Klassenstand zu Beginn des Schuljahres (Ostern 1952): 39 Kinder. Reparaturen werden vorgenommen an der Gartenmauer zur Straße, die Mauer zwischen Schule und dem Nachbar Diemers wird erneuert. Im Laufe des Winters hält Lehrer Frei jede Woche einen Filmvortrag für die Schuljugend und die Erwachsenen des Dorfes. Der Ausflug führt nach Bonn, an die Ahr, zu den Maaren und dann über Cochem nach Koblenz.

Schuljahr 1953
In diesem Sommer geht der Ausflug an die Seenplatte, von dort nach Hachenburg und Daaden. Hier besichtigt die Klasse eine Hütte und Grube. Über den Stegskopf und die Fuchskaute geht es dann nach Driedorf und Mademühlen, wo man die Talsperre besichtigt. Den Schluss bildet Frickhofen mit der Dornburg. Im Juli und August wird die Straße am Friedhof umgebaut. Endlich, Mitte November, ist auch die Straßenbeleuchtung wieder instand gesetzt. In diesem Jahr findet der erste Martinsumzug statt. Jedes Kind erhält eine Brezel.

Schuljahr 1954
Zum Schuljahresbeginn gibt es neue Schulmöbel: 15 moderne Tische, Stühle, Schrank, Pult und Tafel. Kostenpunkt: 1850 DM. Am 22. August werden 2 neue Glocken geweiht. Mit 14 Kindern der Oberstufe wird die Jugendherberge Ehrenbreitstein besucht. Von dort geht es mit schwer gefülltem Rucksack zu Fuß zur Marksburg und danach per Schiff zur Loreley.



Schule und Dorf Lehrer Frei ab 1955

Den „Tag des Waldes“ begeht die Schule folgendermaßen: Die Oberahrer treffen sich mit den Schulen Ettinghausen und Niederahr im Steinbruch auf der Oberahrer Höhe. Feuer wird angezündet, Wasser heiß gemacht, und dann verzehren die Kinder mit großem Genuß die heiße Fleischwurst mit 2 Schösschen, die die Gemeinden gestiftet haben. Anschließend marschieren alle zu den Holzhauern, die im Windbruch die Fichtenstämme schälen. Gedichte, Lieder, Ansprachen und sehr gute Erklärungen des Försters wechseln ab. Ein Riesenerlebnis! Von den Sportfesten in Meudt und Westerburg werden einige Siegersträußchen mitheimgebracht. Im Sommer wird mit den Schulen von Ettinghausen und Sainerholz die Glockengießerei in Sinn besichtigt. Über Wetzlar und Braunfels geht es zur landwirtschaftlichen Ausstellung nach Diez und dann nach Hause. Zu St. Martin und Nikolaus Originaltext Lehrer Frei:
„Mit brennenden Fackeln zogen wir wie jedes Jahr, St. Martin hoch zu Ross, zur Höhe. Mit viel Mühe hatten die wenigen Kinder einen mächtigen Holzstoß aufgerichtet. Den entzündeten sie nun mit Begeisterung. Viele Leute waren anwesend. Nach Gedichten, Liedern u. einer Ansprache erhielt jedes Kind eine große Brezel. Im Dezember veranstalteten wir mit dem Gesangverein einen Vorweihnachtsabend fürs Dorf, der mit Liedern, Gedichten, Ansprache u. kleinen Szenen gut gelang. St. Nikolaus vergaß kein Kind!“

Schuljahr 1956
Auch in diesem Winter werden den Kindern nachmittags und Erwachsenen abends Filme gezeigt, einige Male sogar Tonfilme. Es ist sehr kalt, am 1. und 2. Februar liegt die Temperatur auf dem Schulhof bei 24 Grad unter Null. Im Schulsaal werden trotz Tag- und Nachtfeuerung nur 8 – 10 Grad über Null erreicht. Die Schulkinder feiern am 5. Februar ihren Kindermaskenball. Die Mädchen haben sich sehr nett maskiert, während sich nur ein Junge dazu aufraffen kann, ein Narrenkleid anzuziehen. Am Fastnachtdienstag veranstalten sie ihren Fastnachtszug.
Am 6. Februar wird der Elternbeirat gewählt. Er setzt sich zusammen aus Heinrich Blaum als Vorsitzendem sowie Frau Rosel Weller und Frau Hilde Höwer Ersatzmitglieder: Stefan Steudter, Frau Erna Zirfas, Frau Math. Zirfas. Am 7. Juni beteiligt sich die Klasse an einer Eisenbahn- und Dampferfahrt. Der Sonderzug fährt von Hachenburg bis Engers. Die Oberahrer steigen in Niederahr zu. Von Engers aus geht es dann 7 Stunden lang bei strömendem Regen mit dem Dampfer nach Kaub. Am 28. 8. überrascht ein Wirbelsturm das Dorf. Innerhalb weniger Sekunden entsteht großer Dachschaden. Klassenstand am 1. September 1956: 23 Kinder.

Schuljahr 1957
Am 27. 3. 57 begeht die Schule den „Tag des Baumes“ im Steinbruch. Der Stellvertreter des Försters hält zuerst einen interessanten Vortrag. Dann tragen die Kinder Lieder und Gedichte vor. Wieder gibt es heiße Fleischwurst und Schösschen, diesmal aber auch noch heißen Kaffee, den man in einer großen Milchkanne mitgebracht hat.
Zum zweiten Kirmestag erhält jedes Kind 2 Freikarten von Karussellbesitzer Walter. Die Beteiligung der Oberahrer Bürger an der Bundestagswahl beträgt 90,4 %. Am selben Tage ereignet sich vor der Wirtschaft Klein ein schweres Verkehrsunglück. Mit voller Wucht saust ein von oben kommendes Motorrad auf ein Auto. Die beiden Motorradfahrer fliegen in hohem Bogen auf die Straße, die Fahrzeuge werden zertrümmert. Schwer verletzt kommen die beiden Verunglückten ins Krankenhaus. Dennoch haben beide Glück. Der eine trägt nur eine Fleischwunde im Gesicht davon, der andere einen Schädelbasisbruch, überlebt aber.

Schuljahr 1958
Wegen Keuchhusten und Grippe bleibt die Schule im Februar 8 Tage geschlossen. Zur Entlassung kommen an Ostern Walter Blaum und Renate Neuß. Zum 31. März 1958 verlässt Lehrer Frei die Schule, er zieht nach Montabaur.
Als sein Nachfolger übernimmt die Stelle der Lehrer Hans-Josef Eberz, geb. am 11. 8. 1937 zu Schenkelberg. Dort besuchte er die Volkschule und danach das Staatliche Gymnasium Montabaur, wo er im dortigen Bischöflichen Konvikt wohnte. Nach dem Abitur 1956 absolvierte er bis 1958 seine Ausbildung zum Lehrer an Volksschulen an der Pädagogischen Akademie in Trier. Am 15. April 1958 steht er zum ersten Mal als „neugebackener“ Lehrer vor der Klasse in Oberahr. Als Höhepunkt im Jahre 1958 ist verzeichnet der große Schulausflug am 10. Juli, der mit den Nachbarschulen Ettinghausen und Sainerholz unternommen wird. Die Fahrt führt durch die Eifel: Maria Laach, Nürburg-Ring, durchs Moseltal über Koblenz zurück auf den Westerwald.
Im Sommer stirbt einer der ältesten Einwohner unseres Dorfes, der unter dem Namen „Räder-Mathes“ (Fahrräder) in weiten Teilen des Westerwaldes bekannte Herr Matthias Fein. In seinem hohen Alter von 81 Jahren war er noch so rüstig, dass er noch häufig mit seinem Motorrad Fahrten durch den Westerwald unternahm. Bei seiner letzten Fahrt wurde er das Opfer eines Verkehrsunfalls. Zum 1. Oktober 1958 wird Lehrer Eberz an die Volksschule in Herschbach/Uww. versetzt. Bis zum 31. März 1959 hält Lehrer Tausch aus Meudt Vertretungsunterricht. Vor Anbruch des Winters wird mit einem Anbau zur Hofseite hin begonnen.

Schuljahr 1959/60
Mit Wirkung vom 1. April 59 an wird Lehrer Roman Simon von Ewighausen nach Oberahr versetzt. Kurz nach seinem Dienstantritt ist der Anbau soweit fertig gestellt, dass er am 27. April mit seiner Familie die Dienstwohnung, die renoviert wurde und durch den Anbau noch zusätzlich ein kleines Zimmer und ein Bad erhalten hat, beziehen kann. Am Abend des Einzuges bringt die versammelte Gemeinde ihm ein Ständchen. Die Schülerzahl beträgt zu Beginn des Schuljahres 33 Kinder.
Bei einem Elternabend am 17. Oktober kommt Lehrer Simon zum ersten Mal auf sein Vorhaben „Landschulheimaufenthalt Norderney“ zu sprechen. Zu seiner Freude sind alle anwesenden Eltern dafür. Am 19. November verwandeln 4 cbm Feinschotter den Schulhof endlich in einen ansehnlichen Zustand.

Schuljahr 1960/61
Die Schülerzahl beträgt in diesem Schuljahr 35. Der Unterricht wird immer stärker auf den Aufenthalt in Norderney, der am 17. Mai beginnen soll, ausgerichtet. Dann endlich, um 3.15 Uhr, winken 9 Jungen und 5 Mädchen aus dem Bus, der sie mitsamt ihrem Lehrer und dessen Frau nach Altenkirchen zur Bahn bringt. Zuvor aber geht es nach Korb und anschließend nach Marzhausen, um auch die dortigen Schulen samt Lehrern und Frauen aufzunehmen. Auf der langen Bahnfahrt machen sich die Kinder der drei Schulen schnell miteinander bekannt, so dass sich bereits bei der Ankunft eine richtige Heimgemeinschaft gebildet hat. So gerät der Aufenthalt auf der Nordseeinsel für alle zu einem großen Erlebnis. Mehrere Fahrten werden unternommen; eine Ganztagesfahrt nach Holland, eine Fahrt zur Insel Baltrum und zweimal wöchentlich der Besuch des Wellenbades. Aber auch in die Nordseefluten stürzt man sich, obwohl das Wasser nur 16 Grad hat. Der Abschied am 7. Juli fällt allen schwer. Abends um 22.30 Uhr kann Lehrer Simon seine Schutzbefohlenen gesund und begeistert den Eltern wieder übergeben.

Schuljahr 1961/62
Lehrer Simon verlässt die Volksschule Oberahr am 31. März 61, er wird nach Langenhahn versetzt. Zum 1. 4. 61 übernimmt die Lehrerin Rita Hanz die Schule. Sie ist am 8. Februar 1939 in Rotenhain geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und des Aufbaugymnasiums zu Montabaur studiert sie an der Pädagogischen Hochschule Koblenz und legt im März 1961 die 1. Prüfung für das Lehramt an Volksschulen ab. Unmittelbar darauf wird ihr die Lehrerstelle in Oberahr zugewiesen. Die Schule umfasst zu Beginn dieses Schuljahres 33 Kinder. Am 7. Juni unternimmt die Volksschule Oberahr gemeinsam mit den Schulkindern von Rotenhain einen Tagesausflug nach Frankfurt. Dort besichtigt man den Palmgarten, den Zoo und den Rhein-Main-Flughafen.

Schuljahr 1962/63
Zwei Fahrten werden auch in diesem Schuljahr unternommen. Im Juni geht es ganztägig nach Attendorn, wo man die Tropfsteinhöhle besucht. Danach besichtigt man die Listental- und Aggertalsperre und für die Kinder der Höhepunkt – eine Coca-Cola Fabrik. Am 19. 12. geht es ins Stadttheater nach Koblenz Hier nehmen die Kinder an der Aufführung des Märchenspiels „Sternchens Himmelfahrt“ teil. Mitte November setzt der strengste Winter seit Jahrzehnten ein. Pausenlose Schneefälle und Fröste bis minus30 Grad führen zu katastrophalen Missständen in ganz Europa. Meterhohe Schneeverwehungen legen den Verkehr lahm. Zahlreiche Gemeinden auf dem Hohen Westerwald sind tagelang von der Außenwelt abgeschnitten. Hier wird vorübergehend der Ausnahmezustand ausgerufen. Erst zu Beginn des März 63 lassen die tagelangen eisigen Schneestürme nach, und die gewaltigen Schneemassen beginnen zu schmelzen.

Schuljahr 1963/64
Ziel des diesjährigen Ausflugs kurz vor den Sommerferien ist Rüdesheim. Mit einem Kleinbus fährt die Klasse zunächst nach Koblenz. Hier beginnt die Schiffsreise durch das Rheintal. Von Assmannshausen aus geht es dann hinauf zum Niederwalddenkmal, das die Kinder sich so groß und mächtig nicht vorgestellt haben. Nachmittags fährt von Rüdesheim aus das Schiff dann zurück nach Koblenz, wo der Bus bereits wartet.

Schuljahr 1964/65
In den Osterferien wird das Klassenzimmer renoviert. Die Wände erhalten einen hellen Anstrich, die Gardinen werden durch neue ersetzt. Leider macht es der ewige Krach, der von der Bundesstraße her in die Klasse dröhnt, im Sommer unmöglich, ein Fenster zu öffnen. Der Ausflug kurz vor den Sommerferien führt in die Eifel: Neuwieder Becken, Brohltal, Besuch einer Pepsi-Cola Fabrik in Burgbrohl, Maria Laach, Mayen, Schloss Bürresheim, Nürburgring, Dauner Maare, Cochem sind die einzelnen Stationen der Fahrt. Zum 1. August wird die Lehrerin Rita Hanz, die geheiratet hat, an die zweiklassige Volksschule in Seck, wo ihr Mann bereits tätig ist, versetzt.



Die letzten 8 Jahre der Volksschule Oberahr

1964 – 1973
Zum 1. August 1964 wird die Leitung der Volksschule Oberahr dem Lehrer Erich Classen übertragen. Er stammt aus dem Sauertal an der Grenze nach Luxemburg, wo er am 30.12. 1934 in Metzdorf geboren wurde. Nach 4jähriger Volksschulzeit wurde er zum 1. Sept. 44 am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium zu Trier angenommen. Wegen der zunehmenden Bombenangriffe verbrachten in den folgenden Wochen die Schüler die meiste Zeit in den ausgedehnten Weinkellern des Gymnasiums, während pausenlos amerikanische und englische Fliegerverbände die Stadt Trier nach Deutschland hinein überflogen (Trier selber wurde erst zum Ende des Krieges, im Jan./Feb. 45, angegriffen und weitgehend zerstört). Nach kurzer Zeit wurde der Schulbetrieb wegen der heranrückenden Front eingestellt. Erst zu Beginn des Jahres 1946 wurde die Schule dann wieder geöffnet. Nach Ablegen des Abiturs im März 1954 und 2jähriger Tätigkeit bei der Deutschen Bundespost begann er das Studium an der Pädagogischen Hochschule zu Trier, legte 1959 die erste Lehrerprüfung ab und erhielt zum 1. 8. 59 die Lehrerstelle an der einklassigen Volksschule in Dreisbach/Oberwesterwald zugewiesen. Zum 1. April 60 versetzte man ihn nach Ettinghausen und zum 1. 8. 1964 auf seinen Wunsch nach Oberahr. Nur noch 8 Monate unterrichtet Lehrer Classen alle 8 Schuljahre der Volksschule Oberahr, denn zu Beginn des nächsten Schuljahres geschehen einschneidende Veränderungen.

Schuljahr 1965/66
Sie bestehen darin, dass nach und nach die einklassigen Volksschulen aufgelöst und in Mittelpunktschulen zusammengeführt werden sollen. Für Oberahr bedeutet dies, dass zu Ostern 1965 die Schuljahre 7 und 8 an die Mittelpunktschule Meudt abgegeben werden. Ettinghausen und Sainerholz übrigens werden bereits jetzt komplett aufgelöst. Der Transport der Schulkinder wird vom Kreis, damals noch Oberwesterwald, übernommen. Nach Abgang der beiden obersten Schuljahre beträgt die Schülerzahl nun 21 Kinder.

Schuljahr 1966/67
In zwei Kurzschuljahren, die vom 1. 4. 66 bis 30.11. 66 und vom 1. 12. 66 bis 31. 7. 67 dauern, wird der Schuljahrsbeginn vom 1. April auf den 1. August verlegt. Für die Lehrer bedeutet das eine harte Zeit, denn der Lehrstoff eines Jahres muss in 8 Monaten bewältigt werden, und das zweimal hintereinander. Zum 1. 8. 1967 wird das 9. Schuljahr eingeführt, was aber für Oberahr nicht mehr in Betracht kommt.

Schuljahr 1967/68
Die Klasse umfasst nun 27 Kinder, 14 Jungen und 13 Mädchen. Am 24. 8. 67 verstirbt nach einem Unglücksfall der Schüler Ralf Eisenhut im Alter von 9 Jahren. Er war am Nachmittag zuvor auf dem Heuboden eines Bauernhofes damit beschäftigt, das vom Gebläse heraufbeförderte Heu zu verteilen. Aus ungeklärter Ursache stürzte er dabei durch eine Luke auf den Zementboden des darunter liegenden Stalles. Die erlittenen Kopfverletzungen führen am Tag danach zu seinem Tode. Die Schule beteiligt sich gemeinsam an der Beerdigung.
Das seltene Fest der Goldenen Hochzeit feiert am 12. 8. 67 das Ehepaar Melchior und Maria Schwickert. Dem 77jährigen Jubilar und der 69jährigen Jubilarin gratulieren 4 Kinder und 4 Enkelkinder. Am Abend des Festtages versammeln sich die Einwohner des Dorfes am Jubelhaus und wohnen dem Ständchen bei, das vom Männerchor „Harmonie“ Oberahr unter Leitung des Lehrers dargebracht wird.
Am 11. Dezember gestalten die Schulkinder eine vom Jagdpächter Hartnack finanzierte Nikolaus- und Weihnachtsfeier. Die Kleinen des 1. – 3. Schuljahres führen ein lustiges Spiel von Nikolaus- und Hollezwergen auf, das viel Beifall findet. Die Größeren spielen dreistimmige Weihnachtslieder auf Melodica, Akkordeon und Gitarre. Höhepunkt der Feier ist das vom Männerchor und der Schülerspielgruppe gemeinsam vorgetragene Weihnachtslied „O du fröhliche“.
Am Ende des Schuljahres gehen 3 Kinder nach Meudt und 3 zum Gymnasium nach Montabaur. 8 Kinder werden aufgenommen. Klassenstand: 24

Schuljahr 1968/69
Die Klasse beteiligt sich auch in diesem Jahr an Veranstaltungen des geselligen Lebens im Dorf, so am Martinsumzug, der Nikolausfeier von Jagdpächter Hartnack und der Gestaltung des Frühschoppens am Kirmesmontag.
Der Ausbau der durch den Ort führenden Bundesstraße 255 wird abgeschlossen. Besonders die Anlage von Bürgersteigen auf beiden Seiten trägt sehr zur Sicherheit der Kinder auf dem täglichen Schulweg bei. Ein Nachteil zeigt sich darin, dass auf der verbreiterten und griffig geteerten Fahrbahn viele Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Ortschaft fahren und so die die Straße überquerenden Schulkinder gefährden. Erfreulicherweise wird auch der Schulhof geteert, was sehr zur Sauberkeit im Klassenzimmer beiträgt.

Schuljahr 1969/70
Am 23., 24. und 25. August 1969 feiert die Dorfgemeinschaft ein erwähnenswertes Fest, das 50jährige Bestehen des Männergesangvereins „Harmonie Oberahr“. Ins Nachkriegsjahr 1919 datiert nach den Unterlagen des Vereins der erste Zusammenschluss sangesfreudiger Dorfbewohner zu einem Chor. Wesentlichen Anteil an seinem Zustandekommen hatte der damalige Lehrer Julis Ihl, wie überhaupt die Lehrerschaft in der Geschichte des Vereins eine hervorragende Rolle spielte.
Als Dirigenten sind verzeichnet:
von 1919 bis 1935, Lehrer Julius Ihl
von 1935 bis 1937, Lehrer Georg Junglas
Anfang der 60er, Lehrer Karl Richter
vom 1.1.65 –31.12.76, Lehrer Erich Classen
Der Verein gehört der Sängergruppe I des Unterwesterwaldkreises an. Die 16 Chöre dieser Gruppe sind zum sonntäglichen Freundschaftssingen ausnahmslos erschienen. Somit wird der Bevölkerung eine Vortragsfolge mit insgesamt 600 Sängerinnen und Sängern geboten, wobei besonders von den Männerchören Ebernhahn und Siershahn/Staudt herausragender Chorgesang zu hören ist. Leider meint es der Wettergott nicht so gut mit den Sängern. Nach 5 Wochen herrlichen Sommerwetters ziehen ausgerechnet am Kommersabend die ersten Regenschauer auf und trommeln auf das Dach des in der Bachwies aufgebauten Zeltes. Auch Sonntag und Montag sind von unbeständigem Wetter gekennzeichnet. Die Schulkinder aber lassen sich davon nicht die Laune verderben und genießen den unterrichtsfreien Montag auf Karussell und Schiffschaukel vor dem Festzelt.
Anfang Januar 1970 unternimmt die Klasse eine Theaterfahrt nach Koblenz. Auch die älteren Kinder von Mittelpunktschule und Gymnasium beteiligen sich daran, ebenso wie zahlreiche Kleinkinder mit ihren Müttern. Gespielt wird das Märchen von „Hans im Glück“. An den Kosten haben sich Gemeinde und Gesangverein mit großzügigen Spenden beteiligt.
Das Jahr 1970, zum internationalen Naturschutzjahr erklärt, wird auch von der Schule und Gemeinde Oberahr in Form einer Veranstaltung gewürdigt. Am letzten Sonntag des Schuljahres ziehen die Schulkinder zusammen mit den Einwohnern hoch zum Wald am Rotstein. Hier haben die Männer des Gesangvereins eine Bühne und ein provisorisches Zelt aus durchsichtigen Kunststoffplanen aufgebaut. Bereits am Vormittag erschallt weithin ins Tal das Blasen einer vom Jagdpächter aufgebotenen Jagdhorngruppe. Zu Mittag gibt es Erbsenwürstchen mit Suppe, von Günter Zerfas und seiner Frau in einem großen Kessel zubereitet. Nach dem Mittagessen wird in einer Feierstunde der Idee des Naturschutzes gedacht. Zur Einleitung singen und spielen die Kinder Lieder vom Wald, vom Wandern und der schönen Sommerzeit. Gerade in diesem Augenblick geht wie bestellt ein strömender Regenguss nieder. Dank Vorsorge des Vereins wird die Feier jedoch nur wenig gestört. Interessiert lauschen Junge und Alte der Ansprache des Försters, in der er besonders auf die Wichtigkeit des Naturschutzes und die Reinerhaltung der Umwelt eingeht. Die Feierstunde schließt mit Gedichten der Kinder und Waldliedern, vom Männerchor vorgetragen. Das Wetter hat sich gebessert, und aus den Nachbardörfern setzt ein reger Zustrom von Besuchern ein, die an diesem originellen Fest teilhaben wollen. Nun spielt eine Blaskapelle aus Heiligenroth zur Unterhaltung und zum Tanz. Gastwirt Walter Klein schenkt fleißig Bier aus (die Fässer sind im Waldboden kühl gelagert), und für die Kinder gibt es Bratwürstchen und Limo. Noch lange, so wird berichtet, sind am Abend aus dem dunklen Wald die seligen Lieder später Zecher zu vernehmen. Klassenstand am 1. 8. 1970: 31 Kinder

Schuljahr 1971/72
Das Dorf wächst. Nach langem Zaudern entschließt sich die Gemeinde, Baugelände anzukaufen, zu erschließen und baulustigen Bürgern zur Verfügung zu stellen. Das Terrain befindet sich am Ostrand des Dorfes, oberhalb der Bachwies. In den wunderschönen Monaten Februar und März – trocken und fast sommerlich warm – setzt dann eine rege Bautätigkeit ein. Etwa 10 Baustellen nehmen die Schulkinder auf einem Unterrichtsgang in Augenschein. Ein Bauherr aus Recklinghausen erklärt der Klasse, ihm habe die schöne Lage des Dorfes und die saubere Luft des Westerwaldes so gefallen, dass er seinen Arbeitsplatz im Ruhrgebiet aufgab und nach hier umsiedelte. Er ist nicht der einzige. Allenthalben ist von Familien zu hören, die aus den Industriegebieten wegziehn und sich im Westerwald eine neue Heimat suchen. Am 26. Juni macht die Schule einen Ausflug zur Attahöhle in Attendorn. Nach der Besichtigung der Tropfsteinhöhle hinterlässt eine Fahrt auf dem Biggesee bei den Kindern einen nachhaltigen Eindruck.

Schuljahr 1972/73
Der Beginn des Schuljahres bringt eine Verbesserung der pädagogischen Situation. Der Volksschule Oberahr wird eine zweite Lehrerstelle zugewiesen. Besetzt wird sie mit Lehrer Christian Heinrich. Da nur ein Klassenraum zur Verfügung steht, wird vorübergehend vormittags und nachmittags unterrichtet. Es ist geplant, dass eine Klasse später in einen Nebenraum der Sporthalle, die gerade gebaut wird, einzieht. Die Errichtung dieser Halle geht auf die Anregungen des Damengymnastikvereins Oberahr und neugegründeten Sportvereins mit Männer- und Kinderabteilung zurück. Weil dadurch ein großer Bedarf an sportlichen Übungsstätten bestand, startete die Gemeindevertretung spontan dieses Projekt, ehe die Integrierung der Gemeinde Oberahr in die Verbandsgemeinde Wallmerod zum 1.1.1973 das wohl erschwert oder gar verhindert hätte.
Das Ende des Schuljahres 1972/73 setzt auch den Schlusspunkt für die selbständige Volksschule Oberahr: Sie wird aufgelöst.

Nachwort des Verfassers
So ging es damals in den 70er Jahren allen Volksschulen. Damit gehört eine Schule der Vergangenheit an, die über Jahrhunderte hinweg auf Grund des Engagements ihrer Lehrer und konsequent angewendeter Erziehungs- und Lernkonzepte großartige Erfolge aufzuweisen und zum wirtschaftlichen Aufstieg unseres Landes entscheidend beigetragen hat.

Im Jahre 2008
Erich Classen, Schulleiter a. D.